14. Oktober 2019, 11:00 Uhr

Show zum Krimi

Furioses Finale mit Dietrich Faber

Dietrich Faber steht allein auf der Bühne bei der Show zu seinem sechsten Krimi. Mühelos hält er das Publikum im Atem mit einer grandiosen Mischung aus Lesung, Schauspieleinlagen und Musik.
14. Oktober 2019, 11:00 Uhr
»Freude! Bäng! Wow!« Dietrich Faber als schaurig-aufgedrehter »Motivationstrainer«. (Foto: süd)

Steifbeinig hat der Senior sein Keyboard aufgebaut und einen tumben Beat eingestellt. Nun beugt er sich zum Mikrofon und singt leiernd: »Highway to hell... highway to hell...« Ein kleine Tasten-Kapriole, weiter geht’s mit »Atemlos«. Vor allem leidenschaftslos wirkt der Mann auf der Bühne - im Gegensatz zu seinem Publikum. Die vollbesetzte Kongresshalle tobt und fordert nach dem Abgang des Alleinunterhalters »Zugabe, Zugabe«! Doch statt »Orgel-Willi« erscheint Dietrich Faber und bemerkt konsterniert: »Jetzt weiß ich wenigstens, was ich nach den Bröhmann-Büchern mache. Vielen Dank für das Schlüsselerlebnis.«

Orgel-Willi ist eine der neuen Figuren, die Faber in der Show zu seinem sechsten Krimi »Sorge dich nicht, stirb!« mimt. Bei der offiziellen Premiere begeistert der Gießener das heimische Publikum mit einer grandiosen Mischung aus Lesung, Schauspieleinlagen und Musik. Zum »großen Finale« verzichtet er auf eine Band und hält den Saal gut zwei Stunden lang ganz alleine in Atem. Für die Zuschauer fühlt sich die Ein-Mann-Show an, als träte ein ganzes Ensemble auf.

Jackett aus, Lederhut auf den Kopf: An Utensilien braucht es nicht viel, damit sich der komplexgeplagte Bad Salzhausener Kommissar Henning Bröhmann in den prollig-herzlichen »Country-Star« Manni Kreutzer verwandelt. Faber, der von Jugend an als Komiker an seinem Talent zum Rollenspiel gefeilt hat, verfällt mit jeder Figur in eine komplett veränderte Körpersprache und Ausdrucksweise. Die überspannt-esoterische einstige Schulkameradin »die Dings« nimmt man ihm ebenso ab wie die selbstverliebte Möchtegern-Miss-Mittelhessen-50-plus Hessi oder den verbissenen Dauernörgler Ulf.

Kritik am modernen Populismus

Der jammert bei der Feier zu Bröhmanns 50. Geburtstag - sie bildet im Buch die Rahmenhandlung - nicht nur über das drohende Tempolimit. Für Faber/Bröhmann eine Gelegenheit, sich erneut - wie im Buch zuvor, unvergessen die Forderung »Hexit jetzt!« - gegen den modernen Rechtspopulismus zu positionieren: »Nun soll er also wirklich nicht mehr mit 220 Sachen diese blöden verklemmten Kleinwagenweiber, über die er bei der Arbeit auch keine harmlosen Witze mehr machen darf, von seiner linken Spur drängeln dürfen? Was bleibt ihm denn dann noch in einem Land, in dem man wegen dieser paar wenigen nicht so tollen Jahre nicht mal mehr stolz auf sein Land sein darf, ohne gleich wieder in eine Ecke gestellt zu werden?« Bröhmanns Entschluss: Die Treffen mit Ulf auf ein Bier wird er aufgeben.

Nicht nur da bleibt manchem Zuhörer das Lachen im Halse stecken. Auch die Einblicke in die Welt der Positiv-Denken-Gurus sorgen zunehmend für Beklommenheit. Gestenreich schiebt Motivationstrainer Philipp Cuntz die Krise einer Studentin beiseite mit Phrasen wie »Nur die Angst in dir spielt ein Spielchen mit dir«. Dass Cuntz als Mordopfer nur noch in Rückblenden auftritt, mag man kaum bedauern. Der Selbstoptimierungs-Hype wird indes nicht in Bausch und Bogen verdammt, im Gegenteil: Bröhmanns eigenen Coach-Erfahrungen verdanken die Leser angeblich letztlich die ganze Krimireihe.

Die Ermittlungen spielen in der Show wieder nur eine Nebenrolle. Alle, die am Büchertisch im Foyer der Kongresshalle das neue Buch kaufen, können sich auf eine spannende Lektüre freuen. Auf der Bühne glänzen Nebenfiguren, allen voran Manni Kreutzer, der stetig an Tiefe gewonnen hat und nun mahnt: »Hör uff mit der Hetze und Mensche verletze....«. Ihm bleibt dann auch die Zugabe vorbehalten, die die Zuschauer in nachdenklicher Stimmung entlässt.

Abschieds-Melancholie müsse niemand verspüren, verspricht Faber im Schlusswort. »Ich gehe nicht in den Ruhestand.« Er kündigt nach der aktuellen Tour ein Best-of-Programm aus den Bröhmann-Shows an. Manni Kreutzer hat sich ja sowieso längst verselbstständigt, unter anderem mit zwei CDs, und wird ebenfalls weiter auftreten. Die Krimireihe sei abgeschlossen, versichert Dietrich Faber noch einmal, »für mich ist das eine runde Geschichte«. Zahlreiche Anhänger hoffen dennoch auf ein Comeback: Ja, das Ende des sechsten Buchs nimmt den Anfang des ersten auf, aber warum sollte Bröhmann nicht irgendwann doch wieder über einen interessanten Fall stolpern...?

Doch egal, was Dietrich Faber als nächstes tut: Beste Unterhaltung scheint garantiert.

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