02. Oktober 2019, 06:00 Uhr

Betrüger stoppen

Gemeinsam gegen Enkeltrickser

Momentan scheinen sie überall zu sein, die falschen Handwerker oder Freunde. Mit der Aktion »Pfiffig im Alter« wollen Polizei und Verbände nun Enkeltricksern und Co. die Masche erschweren.
02. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Haustür, Telefon und der Weg von der Bank: Das sind die Tatorte der Trickbetrüger. (Foto: bf)

Ihre Opfer heißen Liesel und Gertrud, Karl und Willi. »Die würden nie bei einem Sven oder einer Jennifer anrufen«, sagt Sylvia Jacob. Die Polizistin ist Präventionsberaterin im Polizeipräsidium Mittelhessen und dort für den Wetteraukreis zuständig. Dort wurde erst vor wenigen Tagen ein Senior aus Bad Nauheim Opfer eines Betrugs. Ein falscher Polizist hatten den Mann mit Anrufen derart unter Druck gesetzt, dass der schließlich einen hohen fünfstelligen Betrag von der Bank abhob und auf einem Friedhof an den Gauner übergab. »Das kann man sich gar nicht vorstellen: Der hat alle zwei Minuten angerufen und Druck gemacht. Wir haben momentan massiv Rückmeldungen über solche Taten«, berichtet Polizeipressesprecher Jörg Reinemer am Dienstag im »Saal Florenz« des Polizeipräsidiums in der Gießener Ferniestraße.

Über 50 Vertreter und Vertreterinnen von Seniorenvereinen und -verbänden sowie kommunalen Seniorenbeiräten aus den mittelhessischen Landkreisen Gießen, Lahn-Dill, Marburg-Biedenkopf und Wetterau sind gekommen, um den Startschuss für die Gemeinschaftsaktion »Pfiffig im Alter - Sicherheit kennt keine Grenzen« zu geben, mit der den Gaunern das Wasser abgegraben werden soll. »Senioren sind eine attraktive Zielgruppe für Kriminelle. Die Täuschung steht im Vordergrund. Die Täter gehen subtil, hinterhältig und gemein vor«, sagt Polizeipräsident Bernd Paul in seiner Begrüßung. Ziel der Aktion ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit von Polizei und Verbänden, um die Verbrechensvorbeugung zu verbessern. Von dem Slogan und dem Logo (Abbildung) verspricht sich die Polizei eine noch größere Aufmerksamkeit für das Thema.

Die Präventionsberater der Polizei kennen das schäbige Spiel. »Da werden mit Suchmaschinen die Telefonbücher nach altdeutschen Vornamen durchforstet und die Leute nach und nach angerufen«, erzählt der für den Lahn-Dill-Kreis zuständige Berater Michael Michel. Die Dunkelziffer der gescheiterten Versuche sei hoch, mit jedem Anruf indes lernten die Kriminellen dazu. Seine Gießener Kollegin Claudia Zanke sagt: »Man darf nicht unterschätzen, wie geschickt diese Leute dabei sind, Menschen in die Enge zu treiben.«

Die anwesenden Seniorenvertreter, die meisten ehrenamtlich engagiert, sind vertraut mit dem Thema. »Wir haben seit 2011 bei uns 63 Sicherheitsberater ausgebildet, dreimal im Jahr finden größere Veranstaltungen mit der Präventionsberaterin statt«, erzählt Angelika Nailor, Geschäftsführerin des Gießener Vereins Ehrenamt. Man dürfe eben nicht nachlassen, die Älteren für das Thema zu sensibilisieren.

Wenn eine vermeintlich schwangere Frau klingelt und um ein Glas Wasser bittet, dann muss man die Tür zuschlagen und dann erst das Glas Wasser holen. Die Schwangere ist dann bestimmt nicht mehr da«, sagt Nailor. Ihrer Mutter habe sie zudem eingebleut, sich nie mit dem Namen am Telefon zu melden. Wenn einem ein Anruf komisch vorkomme, sollte man sofort die Polizei (110) anrufen, damit Warnungen herausgegeben werden können. »Die Gauner grasen meistens tagelang ein bestimmtes Gebiet ab«, sagt Nailor.

Die Polizei will verhindern, dass Unsicherheit bei Senioren in Vereinsamung mündet. Generell seien Ältere seltener Opfer von Verbrechen als Jüngere, die Betrugsdelikte indes stellten eine »besondere Gefährdung« dar, heißt es in der Veranstaltung. Deshalb sei es das Ziel der Aktion »Pfiffig im Alter«, die Zielgruppe der Betrüger immun zu machen gegen die Maschen. »Die Menschen sollen sich aber nicht zu Hause einigeln«, sagt Beraterin Zanke.

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