06. Oktober 2017, 19:55 Uhr

Gerd Knebel will den Ablass vom Vorurteil

06. Oktober 2017, 19:55 Uhr
Gerd Knebel hat’s immer noch drauf. (hf)

Gießen (kdw). »Weggugge« ist zwar der Name von Gerd Knebels neuem Programm, aber nichts, was seinem Wesen entspricht. Am Donnerstag war er in der Kongresshalle, um Klarheit in die Sache zu bringen. Die eine Hälfte des berühmten Duos »Badesalz« verbreitete dabei gelegentlich Unruhe, hauptsächlich aber große Freude und die eine oder andere Einsicht.

Darum geht es Knebel, denn der Kabarettist (und Gitarrist, aber das kommt erst in der Zugabe) ist zuerst mal ein großer Moralist: alles Unmenschliche ist ihm ein Gräuel. Notwendigerweise gibt es unendliche Möglichkeiten für ihn, Anstoß zu nehmen. Nach ein paar wenigen eingestreuten Gags unter der Gürtellinie – überflüssige Routine – zeigt sich aber schon bald seine querdenkerische Fantasie: Was wäre, wenn Neonazis an der Musik des Jazzpianisten Joachim Kühn Geschmack gefunden hätten? Nur ein Gedanke, aber reizvoll: kann man rechtsradikal sein und Jazz mögen? Es ist nicht die einzige schräge Idee des Abends und nicht das einzige Thema zum Meckern. Zwischendurch setzt es eine paar Frechheiten (»Veganerin – das is ja kei Frau«), und es gibt einen Grund, Klischees zu überdenken: hat doch Knebel einen BMW-Fahrer gefunden, der Leben rettete, und einen Exnazi, der Flüchtlinge aufnahm. Also: nichts ist so einfach, wie wir’s gern hätten. Als extreme Überraschung lud er den Kollegen Henni Nachtsheim mal in ein Konzert der Amigos ein. Allerdings wollte Nachtsheim nicht richtig, als er schließlich sah, wo es hinging. Dabei ist die Stimmung bei solchen Gigs ganz sanft und angenehm. Knebel jedenfalls plädiert, nicht selten zum Wegwerfen komisch, für klares Denken und Ablass vom Vorurteil, überschreitet dabei zuweilen sogar – unglaublich – die Sprechgeschwindigkeit des seligen Matthias Beltz und hat zum Schluss noch eine prima Episode zum Beweis dafür parat, warum eben nicht jeder unsere Sprache lernen sollte, der zu uns kommt: »Er hat’s nämlich einfacher.« Als Zugabe noch zwei Songs zur Gitarre, extra gut gemacht ist »Gerard Depardieu«. Knebel hat’s immer noch drauf; Riesenbeifall.

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