01. August 2019, 14:00 Uhr

Abtreibung

Gießener Ärztin Kristina Hänel will nicht auf »Liste«

Die Gießener Ärztin Kristina Hänel will nicht auf eine Liste, auf der Ärtte geführt werden, die Abtreibungen vornehmen. Hänel fordert stattdessen weiterhin die Abschaffung des Paragrafen 219a.
01. August 2019, 14:00 Uhr
K. Hänel

»Unsere Hauptforderung bleibt, dass Frauen ein Recht auf freien Zugang zu Informationen zum Schwangerschaftsabbruch auch auf ärztlichen Websites haben.« Das unterstreicht die Gießener Ärztin Kristina Hänel zusammen mit ihren Kasseler Kolleginnen Natascha Nicklaus und Nora Szasz in einer Presseerklärung. Alle drei wollen sich nicht auf die bundesweiten Listen setzen lassen, die ein Kernpunkt des Kompromisses der Bundesregierung zum Strafgesetzbuch-Paragrafen 219a war. Die drei Medizinerinnen fordern weiterhin die Abschaffung des Paragrafen.

Die Bundesärztekammer hat am Montag eine Liste online gestellt mit vorerst nur 87 der 1200 Praxen und Einrichtungen, die Abtreibungen vornehmen: 56 in Berlin, 26 in Hamburg, drei in Nordrhein-Westfalen und zwei in Hessen. Die bisherigen Einträge beruhen hauptsächlich auf bereits existierenden Listen aus Hamburg und Berlin. Die Nennung ist freiwillig und geschieht auf Antrag des Arztes.

»Wichtige Informationen fehlen«

Der Bundestag hatte im Februar nach zähem Ringen zwischen Union und SPD den Kompromiss zum sogenannten Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche beschlossen. Ärzte dürfen demnach nun öffentlich machen, dass sie Abbrüche vornehmen - weitere Informationen sind ihnen selbst aber nicht erlaubt. Dafür sei die Liste da.

Hänel und ihre Kolleginnen wollen sich dort nicht aufführen lassen, und dies nicht nur wegen laufender juristischer Verfahren. Viele wichtige Informationen fehlten; zum Beispiel Details zum chirurgischen Abbruch oder zu den Kosten - der Abbruch ist keine Kassenleistung. »Betroffene erfahren auch nicht, bis zu welcher Schwangerschaftswoche mit welcher Methode Abbrüche durchgeführt werden, was sich in der Realität oft als Problem erweist.«

Eine bundesweite Übersicht helfe den Frauen nicht. Für die Mediziner könne sie sogar zur Gefahr werden in einer Zeit, in der rechtsextremistische Gruppierungen Listen politischer Gegner*innen erstellen.

Die Ärztinnen wünschen sich, dass »Kolleginnen und Kollegen wieder damit beginnen, auf ihren Websites zu schreiben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Damit kann dem ›Verschwinden‹ des Themas entgegengewirkt werden.« Sie bieten dazu ihre Unterstützung an.

Aufgrund hunderter Strafanzeigen von Seiten christlicher »Lebensschützer« waren viele Mediziner in Deckung gegangen, bis Hänel 2017 ihr Strafverfahren öffentlich machte und die Kampagne gegen den Paragrafen 219a auslöste. Auf beleidigenden Seiten dürfen die Praxen seit jeher genannt werden - weil es sich nicht um »Werbung« handelt. (Archivfoto: kw)

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