17. September 2019, 06:00 Uhr

Streit um »Skylines«

Gießener Jurist geht gegen Netflix vor

Die Netflix-Serie »Skylines« soll kommende Woche starten. Sie handelt von dem fiktiven Musiklabel »Skyline Records«. Problem: Ein Musiklabel mit diesem Namen gibt es auch im realen Leben.
17. September 2019, 06:00 Uhr
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Von Christoph Hoffmann
Das Foto zeigt eine Szene aus der neuen Netflix-Serie »Skylines«. Andreas Milch geht nun gegen Netflix vor. (Netflix/Christian Lüdeke)

Frankfurt ist die gefährlichste Stadt Deutschlands. Nirgendwo sonst werden pro Einwohner mehr Straftaten erfasst. Die Mainmetropole ist zudem berüchtigt für sein Drogenmilieu. In Frankfurt ist auch das Geld zu Hause. Und nicht zuletzt gibt es hier eine lebendige Hip-Hop-Szene. Gewalt, Drogen, Geld, Musik: Die perfekte Mixtur für ein gutes Drehbuch. Nimmt man noch die fotogenen Hochhäuser hinzu, ist es nicht verwunderlich, dass der Streamingdienst Netflix Frankfurt als Drehort für seine neue Crime-Serie auserwählt hat. Bereits am 27. September soll »Skylines« Premiere feiern. Doch es gibt einen Gießener, der das verhindern will.

Der heimische Anwalt Andreas Milch mit seiner am Marktplatz ansässigen Kanzlei hat dem weltweit größten Streamingdienst Netflix eine Unterlassungserklärung zukommen lassen. Es sieht die Interessen seines Mandanten Jan Lehmann gefährdet. Lehmann ist Rapper und unter dem Künstlernamen »Cousin JMF« in Frankfurt aktiv. Er betreibt dort bereits seit 2003, so Milch, das Musiklabel »Skyline Records«. Den selben Namen trägt auch das Label in der Netflix-Serie.

»Es gibt gleich mehrere Rechtsverletzungen«, betont der Gießener Anwalt. Denn Lehmann sei Rechteinhaber der beiden Wortmarken »Skyline Records« und »Skylines«. Ein Blick in das Register des Patent- und Markenamts bestätigt das. Die beiden Wortmarken wurden im Januar dieses Jahres angemeldet, zu jener Zeit hatte Netflix bereits über die Serie berichtet. Auch die aktuelle Internetseite des Plattenlabels ist laut Impressum 2019 entstanden.

Wesentlich älter ist laut Milch hingegen die Eintragung des Labels in die Datenbank der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, sie stamme aus dem Jahr 2005. Seither habe das Frankfurter Label auch regelmäßig Veröffentlichungen auf den Weg gebracht. »Es ist erschreckend, dass sich so ein großes Unternehmen nicht die Mühe macht zu recherchieren. Oder aber, Netflix hat diesen Fakt einfach missachtet«, sagt der Anwalt. Sein Mandant störe sich aber auch daran, welches Image die Serie vermittele. »Es geht um Drogenhandel. Dadurch wird der Name des Labels in den Schmutz gezogen.« Nicht zuletzt könnte die Serie die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verletzten, betont der Gießener. »Wir sagen nicht, seine Lebensgeschichte wurde nachgedreht. Aber es gibt einige Parallelen, die uns nachdenken lassen.« Der Protagonist der Serie heiße »JINN« und ähnele seinem Mandanten »JMF« auch optisch, sagt Milch. In dem kürzlich erschienen Trailer nehme Netflix zudem Bezug auf einen weiteren Charakter der Serie mit dem Namen »Momo«. Ein Künstler mit diesem Namen habe auch schon mit Lehmanns Label zusammengearbeitet, betont der Jurist und fügt an, dass im Trailer auch ein Zitat verwendet werde, dass sein Mandant 2005 in einem Radiointerview im exakt identischen Wortlaut geäußert habe.

Netflix selbst hält sich in der Angelegenheit bedeckt. Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt ein Pressesprecher lediglich, dass der Brief eingegangen sei. Man werde den Inhalt eingehend prüfen und sich schnellstmöglich bei der Gegenseite melden.

Milch ist nicht nur Anwalt von Lehmann, die beiden sich auch alte Weggefährten. »Ich spiele seit meiner Kindheit Basketball. Dadurch bekommt man automatisch Kontakte in die Rapszene.« So habe er auch Lehmann kennengelernt. Milch war als DJ aber auch selbst musikalisch unterwegs, erst auf Gießener Uniparties, später dann in Frankfurt. Für Lehmanns Label habe er früher auch den Papierkram erledigt.

Die Unterlassungserklärung dürfte die bisher größte Herausforderung in Milchs Aktivität für das Label sein. Sollte Netflix der Aufforderung nicht nachgekommen, werde er eine einstweilige Verfügung beantragen, sagt Milch. Ob sich der Gießener gegen den amerikanischen Riesen durchsetzen kann, wird sich zeigen. Aber Milch gibt sich zuversichtlich. »Unser Ziel ist es, die Serie zu stoppen.«



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