05. September 2019, 06:00 Uhr

Tote Vögel

Gießener Rathaus wird für Vögel zur Todesfalle

Immer wieder kommt es zu sogenanntem »Vogelschlag« an den vielen Glasfassaden des Gießener Rathauses. Gegenmaßnahmen sind allerdings kaum mehr. möglich.
05. September 2019, 06:00 Uhr
Große Glasfassaden prägen das Bild des Rathauses am Berliner Platz. Für Vögel stellen sie eine Gefahr dar. (Foto: Schepp)

Es war während einer der Sitzungen des Stadtparlaments im Frühjahr. Der Parlamentschronist der GAZ stand oben vor dem Sitzungssaal im Foyer und telefonierte, als es einen heftigen Schlag gab. Ein Vogel war gegen das Panoramafenster auf der Ostseite der Rathausfassade geprallt. Ob das Tier den Crash überlebte, ist unklar. Es kommt jedenfalls nicht so selten vor, dass Vögel gegen die großflächigen Glasfronten der Stadtverwaltung fliegen - und sterben. »Auch Mauersegler sowie Enten und sogar geschützte Arten wie die Uferschnepfe kommen dabei zu Tode«, hat das städtische Umweltamt Ende August auf Anfrage der FDP-Stadtverordnetenfraktion mitgeteilt.

Zahlen nennt die Untere Naturschutzbehörde (UNB) nicht, aber die Problematik sei ihr bekannt. Meistens seien kleinere Vögel betroffen, aber manchmal eben auch größere Exemplare bis zur Ente, die sich vor allem auf der Ostseite des Rathauses an der Wieseck tummeln. Der Vogelschlag hätte sich vielleicht verhindern lassen, aber die UNB sei an der Planung des Rathauses nicht beteiligt worden, erklärt Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich gegenüber der Fragestellerin Manuela Giorgis.

Aktion »Jalousien runter«

Leider gebe es nur begrenzte wirkungsvolle und nachträglich umsetzbare Maßnahmen, Vogeltod an spiegelenden Glasscheiben zu vehindern. Im Falle des Rathauses seien sie »teils aus ästhetischen, teils aus praktischen Gründen« verworfen worden, erklärt die Grünen-Politikerin.

Das Umweltamt zählt ein Dutzend Maßnahmen auf, die man präventiv ergreifen könnte, unter anderem Aufkleber, unterschiedliche Glasfarben, geneigte, durchscheinende oder reflexionsarme Glasflächen, fassadennahe Begrünungen, im Mauerwerk zurückgesetzte Scheiben und die Vermeidung von Glas an Gebäudeecken. All das sei am Rathaus aber »nicht« oder »nicht mehr« umsetzbar, heißt es in der Antwort von Stadträtin Weigel-Greilich.

Immerhin hat die Stadt aus der Erfahrung mit dem Rathaus gelernt. In Einzelfällen habe die UNB schon durchgesetzt, dass die Verwendung von »Vogelschutzglas« bei Planungen vorgegeben wird. Weigel-Greilich: »Einige Bebauungspläne enthalten bereits entsprechende Festsetzungen.«

Besonders gefährlich sind für Vögel insbesondere Glasflächen, die einen freien Blick auf dahinterliegende Landschaften ermöglichen. Das gilt für Schallschutzwände, gläserne Buswartehäuschen oder - wie am Gießener Rathaus - für Glasfassaden, in denen sich die Umgebung spiegelt und die Stadt dahinter scheinbar weitergeht.

Die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Giorgis empfiehlt, dem Vorbild der Grünberger Unternehmensgruppe Bender zu folgen. Die Firma, an deren Fassaden ebenfalls regelmäßig Vögel zu Tode kamen, hatte im Frühjahr gemeinsam mit der örtlichen Theo-Koch-Schule und dem Institut für Biologiedidaktik der Justus-Liebig-Universität die Aktion »Jalousien runter« ins Leben gerufen. Diesbezüglich ist das Gießener Rathaus freilich gerüstet. Scheint die Sonne auf die Fassaden, fahren die Jalousien automatisch runter. Vom vielen Glas war in diesem Sommer wohl oft nichts zu sehen. Es gibt übrigens auch noch eine andere Präventivmaßnahme, die für Saubermänner und -frauen allerdings kaum eine Option ist: einfach aufs Fensterputzen verzichten.

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