10. Mai 2012, 22:28 Uhr

Gießener besaß 48 Videos mit Kinderpornographie

Gießen (sha). 48 Videos und 143 Bilder mit kinder- und jugendpornographischen Daten – auf Computern gespeichert – wurden bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung eines 43-jährigen Gießeners gefunden. Darunter auch eine Datei, die erläutere, »wie man sich Kindern unauffällig nähert«, berichtete Oberstaatsanwalt Wolfgang Thiele.
10. Mai 2012, 22:28 Uhr

Am Mittwoch musste sich der Angeklagte vor einem Einzelrichter des Gießener Amtsgerichts wegen des Besitzes von Kinder- und Jugendpornographie verantworten. Nach einem Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung teilte Richter Wieland Stötzel mit, dass im Falle einer geständigen Einlassung des Mannes eine Bewährungsstrafe in der Größenordnung von einem Jahr und drei Monaten bis zu einem Jahr und sechs Monaten als Urteil zu erwarten sei.

Verteidiger Leonhard Graßmann erklärte, dass sein Mandant die Tatvorwürfe einräume. Bei der Erörterung der Vorstrafen – der Angeklagte war Anfang der 90er-Jahre bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden – begann der 43-Jährige darüber zu räsonieren, dass »Gefühle sich ihren Weg suchen und wenn man diese Gefühle nicht lebt, bekommt man Neurosen«. Außerdem beschwerte er sich, das Jugendamt habe ihm seine beiden leiblichen Kinder, geboren 2003 und 2004, »entrissen«.

Staatsanwaltschaft ist »ratlos«

Auf die Frage der Staatsanwaltschaft, warum er diesen vorwurfsvollen Ton anschlage, entgegnete der Angeklagte, dass es in der eingangs erwähnten Anleitung, wie man sich Kindern nähern könne, nicht um Beischlaf, sondern um Menschen gehe, »die sich die Seele eines Kindes bewahrt haben«.

Dem widersprach Thiele: Diese Anleitung ziele eindeutig auf sexuellen Missbrauch. »Es geht um Liebe«, beharrte der Angeklagte. Auch eine Erläuterung seines Verteidigers, dass es in Deutschland Gesetze gebe, die den Besitz bestimmten pornographischen Materials verbieten, »um Kinder zu schützen«, beeindruckte den Gießener nicht.

»Ich bin ratlos«, gestand Thiele und Richter Stötzel erklärte, dass sich das Gericht nach diesen Aussagen des Angeklagten nicht mehr an die in dem Rechtsgespräch getroffene Vereinbarung gebunden sehe. Stattdessen teilte er mit, dass dieses Verfahren ausgesetzt werde, um zunächst ein Gutachten erstellen zu lassen, mit dem die Schuldfähigkeit des nach eigenen Angaben an einer Schizophrenie leidenden Mannes überprüft werden solle. Danach werde erneut mit der Beweisaufnahme begonnen.

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