03. März 2019, 15:56 Uhr

Glückspickel und Belastungstests

Die Prunksitzung der Fassenachts-Vereinigung bietet vier Stunden lang eine Mischung aus Tanz, Akrobatik und Humor. Außerdem gibt es einen Überraschungsgast, einen Flashmob und am Ende sogar eine fliegende Frau.
03. März 2019, 15:56 Uhr
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Von Christian Schneebeck

Wer braucht eigentlich eine Bühne, wenn er auch Tische hat? Längst nicht jeder, zumindest nicht bei der Prunksitzung der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV). Kaum hat sie am Samstagabend um Punkt 20.11 Uhr in der Kongresshalle begonnen, erklimmen schon die ersten Gäste das Mobiliar. Der »Schwarze Block« des Musikcorps Großen-Linden prüft es so direkt mal auf seine Belastbarkeit, während er die Eröffnungsfanfare spielt. Angenehmer Neben- effekt: Jetzt sind alle wach – und die große Show kann beginnen.

Den Auftakt macht das Prinzenpaar. Nach dem Eröffnungstanz der Kadetten und dem Tischtest wagen die Tollitäten einen vorläufigen Rückblick auf die Kampagne. Prinz Andreas I. freut sich über das »grandiose Finale« und sagt, für ihn und Prinzessin Sabrina II. sei »ein Lebenstraum« in Erfüllung gegangen. Außerdem befördert er Oberst-Hofmarschall Frank Beck zum Generaloberst-Hofmarschall. Dann gibt der Adel die Bühne frei – für die »One-Way-Edition«, eine Kooperation der GFV-Tanzgarde mit den Garden des Carnevalsvereins Alten-Buseck, des Katholischen Fastnachts-Clubs Buseck und des Karnevalvereins Großen-Buseck.

Stippvisite von Jörg Langsdorf

Was auf dieses »Geschenk der besonderen Art« folgt, steht nicht im Ablaufplan: Quasi als Überraschungsgast dankt Jörg Langsdorf dem Prinzenpaar für den geleisteten Einsatz. Der GFV-Präsident ist nach einer Herz-OP momentan in der Reha, hat aber das Okay der Ärzte für eine Stippvisite erhalten, wie er berichtet. Der beste Wortwitz des Abends kommt so vom Chef persönlich – und er hat einen weniger lustigen Hintergrund: Sein Besuch sei für ihn diesmal »nicht nur sprichwörtlich eine Herzensangelegenheit« gewesen, betont Langsdorf.

Als der nachdenkliche Teil der Sitzung beendet ist, steigt die Ausgelassenheit von Minute zu Minute. Die »Harmonika-Junioren« aus Krofdorf-Gleiberg tragen dazu ebenso bei wie die Midis, die Möhnen, die Tanzgarde und Tanzmariechen Luna-Marie Hofmann von der GFV. Dass angesichts all dieser Bewegungskunst die Redekunst nicht zu kurz kommt, garantieren mit Peti Müllejans und dem »Thürmer von Gießen« (Peter Meilinger) zwei alte Hasen sowie mit Sebastian Römer als »Pierrot vom Rummelplatz« auch ein Neuling in der Bütt. Müllejans erzählt vom letzten Besuch im Fitnessstudio, Meilinger aus den Untiefen der Stadtpolitik. Und der »Pierrot«, der genießt ohnehin immer Narrenfreiheit – und schreckt deshalb weder vor lokalen noch vor nationalen Größen zurück, nicht vor Showstars und auch nicht vor Spitzensportlern.

Zwischendurch begeistert der »GFV-Flashmob«, eine bunt gemischte Truppe aus Aktiven des Vereins, die sich zu einer spontanen Choreografie zusammenfinden. Die »Voiceseccos« knöpfen sich wenig später bei ihrem Auftritt wieder die Tische vor, ehe drei Sängerinnen unter den Augen von Sitzungspräsident Günter Helmchen sogar die Elferrats-Tribüne entern. Das alles überbietet nach fast vier Stunden Programm nur noch das Tanzcorps Rot-Weiß Vettelschoß. Seine Show ist wahrlich spektakulär: Menschen stapeln sich scheinbar mühelos, Männer heben ihre Partnerinnen gen Saaldecke, als wäre es nichts. Einmal fliegt sogar eine Tänzerin für wenige Sekunden durch die Luft. »Und ihr lächelt dabei alle die ganze Zeit«, kriegt Helmchen nach eigener Aussage »jedes Mal Glückspickel«, wenn Rot-Weiß auf der Bühne steht.



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