05. Mai 2018, 14:00 Uhr

Marburger Straße

Grünes Licht für 150 neue Wohnungen in Gießen

Das Gießener Stadtparlament hat nach heftiger Diskussion einstimmig für das Projekt an der Marburger Straße gestimmt. Dass hier Wohnbau-Ghettos entstünden, sei ein "Zerrbild", hieß es.
05. Mai 2018, 14:00 Uhr

Von Burkhard Möller , 1 Kommentar
Hier soll ein Baugebiet mit 14 Häusern in zweiter und dritter Reihe entstehen. Im Hintergrund sind die Häuser an der Marburger Straße zu erkennen. (Foto: Schepp)

Es war wie so oft in letzter Zeit, wenn im Stadtparlament über Wohnungsbau-Projekte diskutiert wird. Erst geht es rund, es wird kritisiert, geschimpft und sich empört, und am Ende der Debatte steht ein einstimmiger Beschluss. So war es auch am Donnerstagsabend, als die Fraktionen die Aufstellung eines Bebauungsplans für die Schaffung von rund 150 Wohnungen im Bereich der sogenannten »Rinn’schen Grube« letztlich ohne Gegenstimme befürworteten.

Der Abstimmung war ein teilweise heftiger Schlagabtausch zwischen der SPD/CDU/Grünen-Koalition und der Gießener Linken über sozialen Wohnungsbau vorausgegangen. Neu waren die Argumente von Linken-Fraktionschef Matthias Riedl zwar nicht, aber mit seiner Beschreibung, wonach Sozialmieter in Gießen durch die Planungen »immer an den Rand der Wohngebiete gedrängt« und in riegelartigen Wohnblocks »eingesperrt« würden, sorgte vor allem bei SPD-Fraktionschef Christopher Nübel für Empörung. Riedl zeichne ein »Zerrbild« vom sozialen Wohnungsbau in Gießen, wenn er Quartiere, die die Wohnbau in den letzten Jahrzehnten vorbildlch sozial und baulich saniert habe, quasi als Ghettos beschreibe. »Damit beleidigen Sie auch die Menschen, die dort leben«, rief Nübel.

 

»Ohrfeige für den Investor«

Im Fall des Gebiets an der oberen Marburger Straße, das sich vom Gelände des früheren BMW-Autohauses Würtele bis zum Hunfeld erstreckt, geht es um 150 Wohnungen, davon sollen etwa 25 im sozialen Wohnungsbau entstehen, was etwa 18 Prozent entspricht. Investor ist die Gießener Projektentwicklungsgesellschaft Imaxx. Da das städtische Wohnraumversorgungskonzept eine höhere Quote für Sozialwohnungen anmahnt, kritisierte Riedl diese Festsetzung als unzureichend – und erntete Widersprch von Planungsdezernent Peter Neidel (CDU). Die Äußerungen Riedls seien »eine Ohrfeige für den Investor«. Neidel: »Der Investor verzichtet auf Gewinn, um einer sozialen Verpflichtung nachzukommen.« Es sei schwierig genug, solche Verpflichtungen überhaupt in Vereinbarungen mit privaten Bauherren »hineinzuverhandeln«, erklärte der Stadtrat.

Unterstützung erhielt Neidel vom Grünen-Fraktionschef Klaus-Dieter Grothe. Für den Investor bedeute der Bau einer Sozialwohnung eine Mietmindereinnahme von etwa einem Drittel. »Das lässt sich auch durch den städtischen Zuschuss von 20 000 Euro pro Einheit nicht kompensieren«, sagte Grothe. Würde man vor diesem Hintergrund die Sozialquote noch erhöhen, erhöhe sich zwangsläufig auch die Miete für alle anderen in dem Gebiet. Grothe: »Wir wollen aber nicht, dass die obere Mittelschicht die untere Mittelschicht finanziert.«

 

Insgesamt 14 Wohnhäuser

Bei dem Vorhaben auf der Westseite der Marburger Straße geht es um 14 Wohnhäuser, die in zweiter und dritter Reihe errichtet werden sollen. Die unterschiedlich großen Gebäude werden maximal dreieinhalbgeschossig sein, mit fünf bis 19 Wohnungen. Erschlossen wird die Bebauung durch eine Stichstraße mit Wendehammer. Direkt an der Straße, wo das alte BMW-Autohaus noch mindestens ein Jahr an einen anderen Händler vermietet ist, sieht das Konzept einen kleinen Gewerbekomplex vor. Ein Großteil der Parkplätze soll in Tiefgaragen entstehen.

Außerhalb des Plangeltungsbereichs soll das Hotel entstehen. Bei einer Pressekonferenz im Februar 2017 war von einer Herberge mit 60 Betten für Übernachtung und Frühstück die Rede, die die Geschäftsleute Sylvia und Uli Würtele betreiben wollen. Für den Hotelbau reicht eine Baugenehmigung.

Zusatzinfo

Wer frei für St. Josefs Krankenhaus

Eine Handvoll Anwohner der Liebigstraße hatten sich extra ins Rathaus begeben, aber ihr Thema, der neuerliche Ausbau des St. Josefs Krankenhauses Balserische Stiftung, war nach fünf Minuten vom Stadtparlament abgehandelt. Nach einer kurzen Erklärung von Baudezernent Peter Neidel stimmten die Fraktionen der Entwurfsplanung einstimmig zu. In einem Schreiben an Neidel und die Fraktionsvorsitzenden hatten die Anwohner ihre Bedenken hinsichtlich Baulärm und Verkehrszunahme noch einmal formuliert und die »Salamitaktik« des Krankenhauses kritisiert. Eine Reaktion habe es nicht gegegeben, sagte Anwohner Hans-Joachim Schaefer und sprach von einer »Enttäuschung«.

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