02. Mai 2012, 21:48 Uhr

Gutachter: Pflastersteinwerfer ist schuldunfähig

Gießen (sha). »Quatsch«, äußerte der Angeklagte laut und vernehmlich, als der psychiatrische Gutachter Ingo Baltes ihm am Mittwoch in der Sitzung der Zweiten Großen Strafkammer des Landgerichts eine »eindeutig schizophrene Psychose« bescheinigte.
02. Mai 2012, 21:48 Uhr
(Foto: dpa)

Bereits zuvor hatte der Mediziner darauf hingewiesen, dass bei dem 46-jährigen Gießener keine Einsicht bezüglich seiner Krankheit zu erkennen sei.

Die Anklage wirft dem Mann vor, Ende Dezember 2010 mit einem Pflasterstein das Sicherheitsglas an der Ladentür eines Geschäfts in der Walltorstraße eingeschlagen sowie einen Mitarbeiter dieses Geschäfts, der ihn verfolgt hatte, ebenfalls geschlagen zu haben. Bei seiner späteren Festnahme durch die Polizei in einem Bistro soll er zudem mit einem Messer Widerstand geleistet haben.

Der Beschuldigte, der die Vorwürfe bestritten hatte, sei bei Begehung der Taten schuldunfähig gewesen, erläuterte der Gutachter. Es bestehe ein klarer Zusammenhang zwischen dem delinquenten Verhalten des Angeklagten und dessen Erkrankung. Man könne davon ausgehen, dass der 46-Jährige erneut straffällig werde, sollte er nicht medizinisch behandelt werden. Die Legal- und Sozialprognose für den Gießener falle dementsprechend schlecht aus. Aus diesem Grund empfahl der Mediziner eine Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Bevor das Gutachten erteilt worden war, hatte die Kammer unter Vorsitz von Richterin Regine Enders-Kunze eine Zeugin befragt, von der der mutmaßliche Täter behauptete, sie am 28. Dezember 2010 in Gießen getroffen und mit ihr gesprochen zu haben. Die Zeugin bestritt dies. Sie habe – wie der Angeklagte – 1988 das Abitur an einer Schule in Kassel abgelegt, ihn aber seit dieser Zeit nicht mehr gesehen.

Das Urteil in diesem Prozess wird am nächsten Dienstag erwartet.



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