15. November 2019, 10:00 Uhr

Neues Urteil

Härtere Strafe für Messerstich vor Haarlem in Gießen

In einer Berufung vor dem Landgericht wurde ein Mann, der vor dem Haarlem in Gießen einem Konkurrenten ein Messer in die Seite gestochen hatte, nun etwas härter bestraft.
15. November 2019, 10:00 Uhr
Im Haarlem hat sich die Tat abgespielt.

Er hat einem Mann eine Bierflasche gegen den Kopf geschlagen und später einem anderen ein Messer in die Seite gestochen. Für diese Taten, die sich im Dezember 2017 in und vor der einstigen Discothek Haarlem abgespielt haben, ist ein 22-Jähriger im Juni dieses Jahres zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Ein Strafmaß, das der Angeklagte leicht zu hoch, die Staatsanwaltschaft hingegen als deutlich zu milde empfand. Beide Seiten haben daher Berufung eingelegt. Am Donnerstag wurde der Fall daher erneut verhandelt.

Laut Staatsanwaltschaft war der Angeklagte am Tattag zusammen mit einem Begleiter in dem inzwischen geschlossenen Musikkeller. Dort kam er mit einer Gruppe von drei jungen Männern ins Gespräch. Plötzlich, ohne jegliche Vorwarnung, habe er einem aus der Gruppe eine Bierflasche gegen den Kopf geschlagen. Vor der Tür soll es dann zu einem Wortgefecht gekommen sein. Daraufhin habe der Angeklagte ein Messer gezückt und einem der Männer in den Bauch gestochen. Die Verletzung blieb laut Untersuchungsbericht des Krankenhauses oberflächlich. Nach der Attacke sei der 22-Jährige vor der Polizei geflohen sein. Als die Beamten ihn gestellt hätten, habe er sich mit Händen und Füßen gewehrt, wodurch ein Polizist leichte Verletzungen davongetragen habe.

Wie schon in der ersten Verhandlung räumte der Angeklagte die Taten vollumfänglich ein. Allerdings verbunden mit dem Hinweis, dass er sich wegen des erheblichen Alkoholkonsums nicht an Einzelheiten erinnern könne. Obendrein entschuldigte er sich bei allen Opfern und Polizisten. Er könne sich sein Verhalten nicht erklären, er sei noch nie so betrunken oder aggressiv gewesen.

Sein Verteidiger betonte, dass sich sein Mandant vor dem Messerstich bedroht gefühlt haben müsse und sprach daher von Notwehr. Der Begleiter des Angeklagten argumentierte in die gleiche Richtung. Die Männer, die mit der Flasche und dem Messer verletzt worden waren, widersprachen dieser These jedoch. Sie hätten den Angeklagten weder bedroht noch umringt, vielmehr sei der 22-Jährige nach einem Wortgefecht über die Straße gelaufen und habe zugestochen.

Auch die Herkunft des Messers war in der Verhandlung wieder Thema. Dieses Mal brachte der Angeklagte aber eine neue Erklärung an. Während der erstinstanzlichen Verhandlung hatte sein damaliger Verteidiger noch gesagt, Messer seien heutzutage für junge Leute eine Art Modeaccessoire, »wie ein Handy«. Der neue Anwalt des Angeklagten betonte jedoch, dass sein Mandant das Messer bei der Arbeit nutze, um Pakete aufzuschneiden. Er habe schlichtweg vergessen, dass Messer in den Spint zu legen.

Staatsanwältin Dr. Julia Vorländer sagte, dass sie das Strafmaß aus der ersten Instanz als nicht angemessen empfinde. Sie forderte daher eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten - ohne Bewährung. »Völlig überzogen«, sagte hingegen der Verteidiger und sprach sich für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr aus, so wie schon das Schöffengericht in erster Instanz geurteilt hatte. Obendrein setzte er sich dafür ein, dass die Strafkammer von einem Bewährungshelfer absehe und die Sozialstunden streiche, da sein Mandant fest im Leben stehe und bis zu sechs Tage die Woche arbeite.

Das Urteil der Strafkammer kam dieser Forderung recht nahe. Richterin Regina Enders-Kunze verkündete eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Ein Bewährungshelfer sei nicht notwendig. Anstatt der Sozialstunden ordnete die Richterin eine Zahlung von 1500 Euro an gemeinnützige Einrichtungen an. Sie hob unter anderem die Geständigkeit und »ernsthafte Reue« des Angeklagten hervor. Eine Notwehr habe die Strafkammer aber nicht gesehen, auch wenn der tatsächliche Sachverhalt bei solch einem dynamischen Geschehen und vor allem so viel Alkohol bei allen Beteiligten nicht einfach zu klären sei. (Foto: chh)

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