22. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Hauptsaison für die Fettleber

Gießen (pm). Die Energieversorger in Deutschland nennen es die »Gänsebratenspitze«, wenn der Energieverbrauch am ersten Weihnachtsfeiertag auf circa 480 Millionen Kilowattstunden ansteigt – für die Zubereitung des Festessens ist der Stromverbrauch in deutschen Haushalten um rund ein Drittel höher als an normalen Tagen. Und die normalen Tage sind hierzulande schon ab Mitte September nicht mehr »normal«: In den Supermärkten füllen Zimtsterne, Dominosteine und Lebkuchen bereits fast vier Monate vor Weihnachten die Regale. Und die Kunden nehmen das verfrühte zusätzliche Süßigkeitenangebot gerne an. Doch dieses »früher und mehr« an Fettem und Süßem ist für die Leber gefährlich.
22. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Die Deutsche Leberstiftung warnt vor der Kombination weihnachtlicher Schlemmereien und wenig Bewegung. (Fotos: dpa/srs)

Die Deutsche Leberstiftung weist auf die Gefahren einer Fettleber und der daraus resultierenden Leberentzündung hin, die zu lebensgefährlichen Folgen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs führen kann.
Nicht nur Kirchen und heimische Esstische sind an den Weihnachtstagen voll. Auch in den Notaufnahmen der deutschen Krankenhäuser ist vom 24. bis zum 26. Dezember viel zu tun. Neben Herzproblemen gehören Bauchschmerzen und Probleme mit Galle oder Leber zu den häufigsten Gründen für einen weihnachtlichen Arztkontakt.
Gefährlich wird es, wenn regelmäßig zu viel Fettes und Süßes auf dem Speiseplan steht. Durch vermehrte Fettablagerung in den Leberzellen kann eine »Fettleber« entstehen. Diese kann sich dann entzünden (Fettleberhepatitis). Dazu gehören die durch Alkoholkonsum verursachte »alkoholische Leberentzündung« und die »nicht alkoholische Fettleberentzündung«. Aus der chronischen Leberentzündung kann sich eine Leberfibrose (Bindegewebsvermehrung) entwickeln, die eine Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) und Leberzellkrebs zur Folge haben kann.
Professorin Elke Roeb, Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Leberstiftung und Leiterin der Gastroenterologie am UKGM in Gießen, ist besorgt: »Die nicht alkoholische Fettlebererkrankung (sogenannte NASH) ist eine typische Lebensstilerkrankung und verursacht wie alle Lebererkrankungen meist keine oder nur unspezifische Symptome. Sie ist mittlerweile die häufigste Lebererkrankung in Deutschland und hat eine steigende Tendenz. Jeder dritte Bundesbürger über 40 hat bereits eine Fettleber – der erste Schritt zur Fettlebererkrankung.«
Die Deutsche Leberstiftung warnt vor der Kombination weihnachtlicher Schlemmereien und wenig Bewegung. Die Zahl übergewichtiger Menschen wächst, und speziell das Fett in der Bauchregion gilt als ein wichtiger Risikofaktor. Bereits jedes dritte adipöse Kind hat eine nicht alkoholische Fettleber und von den jungen Typ-2-Diabetikern fast jeder Zweite. Auch schlanke Erwachsene kann es treffen: Rund 15 Prozent haben trotz Normalgewichts eine NAFLD. Die Erkrankung »Fettleber« ist ein Massenphänomen. Viele wissen nichts davon, denn eine kranke Leber schmerzt meistens nicht.
»Die frühzeitige Diagnose einer Lebererkrankung kann die Leber und auch das Leben retten. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser lassen sich Erkrankungen der Leber durch Änderung des Lebensstils oder Medikamente behandeln«, betont Roeb. Eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte beim Hausarzt gibt Klarheit. Sind die Leberwerte (GPT, GOT und GGT) erhöht, kann eine rechtzeitig gestellte Diagnose eine Behandlung bereits im Frühstadium einer Lebererkrankung sicherstellen.
Für Weihnachten empfiehlt der Schwerpunkt Gastroenterologie das Genießen in Maßen, einen Winterspaziergang statt Glühwein und einen Kaffee statt des Verdauungsschnapses – denn über Kaffee freut sich die Leber.

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