18. Januar 2019, 21:39 Uhr

Herber Verlust für den Seltersweg

Aus wirtschaftlichen Gründen wird das Modeunternehmen Peek & Cloppenburg seine Filiale in Gießen im August schließen. Damit verliert der Einzelhandel im Seltersweg ein absolutes Schwergewicht. Die Zukunft der etwa 40 Beschäftigten am Standort in der Innenstadt ist ungewiss.
18. Januar 2019, 21:39 Uhr
Nach 28 Jahren gibt das Modeunternehmen Peek & Cloppenburg seine 3200 Quadratmeter große Filiale im Seltersweg auf. (Foto: Schepp)

Schon vor gut fünf Jahren hatte die Peek & Cloppenburg KG den Standort Gießen auf dessen Wirtschaftlichkeit hin genau überprüft. Damals gelangte das Unternehmen noch zu dem Ergebnis, den Mietvertrag um fünf Jahre bis 2019 zu verlängern. Jetzt ist die erneute Prüfung aber offenbar so negativ ausgefallen, dass die seit 28 Jahren bestehende und rund 3200 Quadratmeter große Filiale im Seltersweg 40 geschlossen wird.

»Der letzte Verkaufstag ist am 31. August geplant. Peek & Cloppenburg versucht, für alle Mitarbeiter eine individuelle Lösung zu finden«, teilt das Unternehmen auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung mit. Wie diese Lösungen für die Beschäftigten genau aussehen könnten und ob noch weitere Filialen geschlossen werden, dazu will sich die Peek & Cloppenburg KG in Düsseldorf derzeit noch nicht äußern.

Bei den Passanten im Seltersweg stößt die Nachricht auf geteiltes Echo. »Ich finde das absolut schade, denn Peek & Cloppenburg ist eines der ganz wenigen Bekleidungsgeschäfte, in denen man noch gute Qualität bekommt«, meint eine langjährige Kundin aus Linden. Dagegen sagt eine 49-jährige Gießenerin: »Da war ich in 20 Jahren nur einmal drin und habe nichts für mich gefunden.«

Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BID Seltersweg und damit Vertreter der Hauseigentümer und Gewerbetreibenden in der Einkaufsmeile, spricht von einer »schlechten Nachricht«. Aber es herrsche eben stetiger Wandel im Handel, und »bei einem vernünftigen Mietpreis« werde Peek & Cloppenburg als Eigentümer des Hauses im Seltersweg 40 die Fläche gut an einen anderen Interessenten vermieten können.

Pfeffer macht allerdings keinen Hehl daraus, dass man in Gießen trotz wirtschaftlich guter Voraussetzungen derzeit auch »das eine oder andere Hemmnis« habe. Konkret meint er damit den Streit um die verkaufsoffenen Sonntage. Gießen habe in diesem Jahr nur zwei verkaufsoffene Sonntage genehmigt, andere Städte dagegen vier. Sonntagsöffnungen seien vom Umsatz her für die Händler eminent wichtig. »Eine der ersten Fragen, die Standortinteressenten stellen, lautet stets: Wie viele verkaufsoffene Sonntage habt ihr, und wer legt die Termine dafür fest?«, erklärt Pfeffer. Auch die Landesregierung müsse diesbezüglich Klarheit schaffen, fordert der BID-Manager. Es müssten jetzt alle dabei helfen, den Standort Gießen zu stärken. Als Nachfolger für P & C wünscht sich Pfeffer »einen großen Player«.

Großer »Frequenzbringer« fällt weg

Ludwig Vordemfelde, Inhaber des direkt an Peek & Cloppenburg angrenzenden Herrenbekleidungsgeschäftes Köhler, ist wenig erfreut über das Aus seines langjährigen Nachbarn. »Wir haben das mit großem Bedauern aufgenommen, zum einen, weil nicht nur unser Mitspieler für Damenmode wegfällt, sondern auch ein Frequenzbringer für die Innenstadt.« Zudem habe die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen immer viel Freude gemacht, sagte Vordemfelde. Köhler-Geschäftsleiter Dennis Eberl und er seien am Donnerstag in einem persönlichen Gespräch von der Bereichsleitung der Peek & Cloppenburg KG über die Schließung informiert worden. An Spekulationen über eine mögliche Nachfolgenutzung möchte sich Vordemfelde nicht beteiligen.

Die Umsatzsituation im Seltersweg ist für größere Modeunternehmen mit mehr als 500 Quadratmetern Verkaufsfläche derzeit offenbar schwierig bis unbefriedigend. Beispielsweise hat auch das Bekleidungsunternehmen »The Sting« Ende des Jahres seine rund 2500 Quadratmeter große Verkaufsfläche neben dem Schuhhaus Darré geschlossen. Das Geschäft steht derzeit leer. Zwar sollen dort bereits Gespräche mit möglichen Nachmietern laufen, doch dem Vernehmen nach liegen die Mietpreisvorstellung des Gebäudeeigentümers, der Generali Deutschland AG, weit über den marktüblichen Konditionen.

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