05. Dezember 2018, 22:11 Uhr

Herzspezialist zieht ermutigendes Fazit

05. Dezember 2018, 22:11 Uhr
A. Böning

Das Herz gilt nicht nur als Zentrum der Liebe. Es ist das Zentrum unseres Körpers und pumpt etwa fünf Liter Blut pro Minute durch die Gefäße. »Herzkrank zu sein bedeutet, in der Mitte unseres Wesens betroffen zu sein, nicht mehr alles zu können und oft lebensbedrohlich krank zu sein«, berichtete Professor Andres Böning bei der dritten Vorlesung des Seniorenprogramms »Medizin aktuell« im Wintersemester an der Uni Gießen. Der Direktor der Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie und Ärztlicher Direktor des UKGM erläuterte den zahlreichen Zuhörern während seines Vortrags »Was kann die Herzchirurgie heute?« die rasanten Fortschritte. »Herzchirurgie ist heute lebensrettend, verbessert die Lebensqualität, schützt vor Herzinfarkten, ist nachhaltig und zunehmend minimal-invasiv«, lautet Bönings ermutigendes Fazit.

Neue und noch vor nicht allzu langer Zeit kaum für möglich gehaltene Behandlungen geben Herzpatienten neue Zuversicht. In den 1950er Jahren lag die Chance, einen operativen Eingriff am Herzen zu überleben bei 50 bis 66 Prozent. Heute liegt die Erfolgsquote bei 98 Prozent. Angesichts dieser Erfolge ist so manchem Zuhörer im Hörsaal des Instituts für Anatomie und Zellbiologie ein Stein vom Herzen gefallen. Denn bei vielen Herzkrankheiten helfen keine Medikamente, sondern nur operative Eingriffe.

Die größte Herz-OP ist die Transplantation. Hierzu bedarf es jedoch ausreichender Spenderorgane. Auch wenn die Zahl der Organspender wieder leicht ansteige, brauche man künftig eine bessere Regelung, sagte Bönig. Mit einem Kunstherz als Unterstützungssystem kann die Zeit bis zu einer Transplantation überbrückt werden. Je nach Krankheitsbild kann es auch eine dauerhafte Alternative sein.

Wenn die Aorta platzt, besteht Lebensgefahr. Auch hier kann nur eine OP helfen. Diese wird wie viele Eingriffe am Herzen unter Vollnarkose und mit der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt, die das Blut bewegt und mit Sauerstoff anreichert.

Auch bei Herzklappenfehlern wie einer verengten Aortenklappe oder undichten Mitralklappe ist die OP nach wie vor der »Goldstandard« mit den größten Erfolgsaussichten. Je nach Krankheitsbild kann auch eine minimalinvasive und vergleichsweise schonende Implantierung einer Herzklappe bei örtlicher Betäubung sinnvoll sein. Diese haben heute sehr lange Haltbarkeit. Während die Zahl der konservativen Eingriffe in den letzten zehn Jahren in etwa gleichgeblieben ist, haben die minimalinvasiven stark zugenommen. Davon profitieren ältere Patienten, die für eine große OP nicht mehr fit genug sind. Die Herzchirurgie kann deshalb heute immer mehr Menschen helfen und Leben retten. Der Fortschritt hat jedoch auch seinen Preis. Während die durchschnittlichen Kosten einer konservativen Herzklappen-OP etwa 19 000 Euro betragen, sind es beim minimalinvasiven Eingriff rund 34 000 Euro. Grund dafür sind oft die hohen Kosten für Herzklappen.

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