27. November 2017, 20:00 Uhr

Hier steppen die Nonnen

27. November 2017, 20:00 Uhr
Inga Saalmann, Lena Wicht, Angelika von Kittlitz, Anne-Kathrin Abel und Whitney Klein sind als Nonnen zum Piepen.

Gießen (kdw). Ein Volltreffer ist die neue Produktion des englischsprachigen Keller Theatre. Martin Koobs Inszenierung von Dan Goggins witzigem »Nunsense« erweist sich als Hauptspaß ohne Pausen, getragen von einem herausragenden Ensemble. Fünf Nonnen, verwickelt in mehrere Todesfälle, gehen nicht nur musikalisch vollkommen aus sich heraus, und ein entgrenztes Ensemble lässt die Figuren absolut lebendig werden. Die Premiere war ein voller Erfolg.

Höchst beachtlich, was Angelika von Kittlitz (Mother Superior, einst Zirkusartistin), Inga Saalmann (der ruhende Pol Sister Mary Hubert), Whitney Klein (die gewiefte Sister Robert Anne), Lena Wicht (Sister Amnesia, verlor ihr Gedächtnis, als ihr ein Kruzifix auf den Kopf fiel) und last not least Anne-Kathrin Abel (Sister Mary Leo, die Novizin will die erste Nonnenballerina der Welt werden) da auf die Bühne bringen.

Schon nach ein paar Minuten ist klar, dass die Akteure in Topform sind und die Grundlage der Geschichte herrlich absurd: Die Köchin des Ordens brachte versehentlich 52 Mitglieder des Ordens zu Tode, und es fehlt das Geld für vier ausstehende Beerdigungen. Die Toten ruhen einstweilen in der Tiefkühlung. Eine Show soll nun das Geld einspielen. Kein Problem, denkt man, diese Nonnen sprühen vor Temperament und musikalischer Begabung, die in mehreren Fällen den Amateurbereich hinter sich lässt. Traumhaft sicher kommen die Dialoge, die Bühnenchoreografie ist rund und stimmig, und vor allem auch die Besetzung. Dabei spürt man die Hingabe der Darstellerinnen. Abel birst fast vor Energie und lässt ihre Figur förmlich vibrieren, Saalmann überzeugt mit reifer Routine, von Kittlitz gibt eine fabelhafte Oberin. Klein singt und spielt wie ein alter Hase, und nicht zuletzt ist Neuzugang Lea Wicht als rundum stimmige Amnesia ein Haupttreffer. Dabei werden die Figuren klar und lebendig gezeichnet, und die zahllosen Pointen praktisch verlustfrei umgesetzt.

So verfolgt man fast ständig schmunzelnd auch die Songs, bei denen die musikalische Präzision und die so wichtige Geschlossenheit stets befriedigen. Auch da gibt es Glanzlichter, so etwa Wichts »I Could’ve Gone to Nashville« und ein fabelhaftes Trio in »The drive-in«. Klein, Wicht und Abel singen da ganz vorzüglich, mitreißend und einfach schön. Die professionelle Grundlage liefern Tom Feldrappe (Klavier) und Michel Weiss (Flöte und Geräusche), die musikalische Leitung besorgt Martin P. Koob. Das Ensemble bringt sich auch sonst noch ein: Abel arrangierte den Song »The drive-in«, und Wicht schuf mit ihr die Ballettchoreografie; Saalmann und Julie-Ann Pownall ersannen die Tap-Dance-Sequenzen.

Die Inszenierung besitzt einen enormen Schwung, dem niemand widerstehen konnte. Der darstellerische Fluss ist vollkommen, jede szenische Kleinigkeit ist ausgestaltet, was nicht leicht zu erreichen ist. Und die Darstellerinnen verströmen einfach eine unwiderstehliche Energie. Zum Piepen!

Eine folgende Vorstellung ist schon ausverkauft, war zu erfahren. Karten gibt es im Haus der Karten, Kreuzplatz 6. (Foto: kdw)

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