22. November 2013, 23:08 Uhr

»Ich dachte, da ist ein Kran umgefallen«

Gießen (sha). »Ich habe zehn Schokoriegel gegessen, aber der Tee schmeckt noch besser«, berichtete der achtjährige Oskar im Gespräch mit der GAZ. Nicht nur sein zufriedenes Gesicht machte deutlich: Die Versorgung in der zur Notunterkunft umfunktionierten Turnhalle der Herderschule am Freitagnachmittag war sichergestellt.
22. November 2013, 23:08 Uhr
Viele Betroffene warteten in einer Turnhalle auf die Entwarnung. (Fotos: sha)

Auch wenn manche sich fragten, ob es wohl auch ein Abendbrot geben würde.

Oskars Mutter hoffte allerdings, dass sie und ihr Sohn das nicht mehr in Anspruch nehmen müssten. Wenigstens gegen 20 Uhr wollten beide wieder zurück in ihrer Wohnung sein. Am Mittag hatte sie den Achtjährigen aus der in einem anderen Stadtteil gelegenen Schule abgeholt, berichtete die Frau. Der übliche Heimweg mit dem Pkw glückte an diesem Tag jedoch nicht ganz. Von der Rodheimer Straße aus konnte die Gießenerin nicht mehr in die Krofdorfer Straße einbiegen, um zur heimischen Paul-Schneider-Straße zu gelangen. Vollsperrung und jede Menge Polizei.

»Ich dachte, da ist ein Kran umgefallen«, schilderte Oskars Mutter. Der Grund für ihre Vermutung: Die Baustelle an der Rodheimer Brücke. Als es immer klarer wurde, dass auch sämtliche andere Zufahrtsstraßen gesperrt waren, stellte die Gießenerin ihren Wagen schließlich in einem Gewerbegebiet ab und machte sich mit ihrem Sohn zu Fuß auf den Heimweg. Polizisten, die sie unterwegs traf, erläuterten ihr die Ursache der Absperrungen: Ein Bombenfund in der Paul-Schneider-Straße, praktisch in Sichtweite der eigenen Wohnung.

»Meine Katze hat es gespürt«

, hätte sich »eine Rückkehr nicht mehr gelohnt«, sagte die Frau. Zusammen mit Oskar machte sie sich deshalb auf den Weg zur Turnhalle, die der Polizist ihnen genannt hatte. »So plötzlich« wie es kam, Mutter und Sohn trugen es mit Fassung – sie erwarte ja an diesem Abend keinen Besuch mehr, äußerte die Gießenerin.

Eine andere Dame wollte ihre Einkäufe nach Hause tragen, als sie an der Absperrung scheiterte. Auch ihre Wohnung in der Pater-Delp-Straße lag in der »Sperrzone«. »Meine Katze hat etwas gespürt«, war sich die Frau sicher. Den ganzen Tag über sei das Tier äußerst unruhig gewesen und ihr ständig um die Beine gestrichen. Um den Vierbeiner mache sie sich nun zwar Sorgen, gab die Gießenerin an, lobte aber Verpflegung und Betreuung in der Turnhalle. »Falls es bis morgen dauert, sollen auch Betten gebracht werden«. Bei den eingekauften Lebensmitteln handelte es sich glücklicherweise nicht um Produkte aus der Kühltheke. Eile war demnach nicht geboten.

Überhaupt betonten Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes, dass unter den Betroffenen »die Stimmung entspannt ist«. Es sei beeindruckend, wie geduldig, verständnisvoll und oft sogar dankbar die Menschen reagierten. »Was soll man machen«, grinste ein Familienvater, dessen Kinder – zwei und vier Jahre alt – sich in einer extra eingerichteten Spielecke vergnügten. »Die Kleinen stört es sowieso nicht«.

Kurz vor 18 Uhr wurde Entwarnung gegeben. Ein Abendbrot gab es trotzdem noch: zwei verschiedene Eintöpfe sowie Würstchen mit Brötchen.

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