17. Februar 2019, 21:53 Uhr

Im Sinne des Denkmalschutzes

17. Februar 2019, 21:53 Uhr
An der Außenanlage der Häuser am Kugelberg stehen die letzten Arbeiten an. (Foto: dkl)

»Bezahlbarer Wohnraum für alle« ist ein Grundmerkmal der Baugenossenschaft 1894 Gießen eG, das schon in der Broschüre zum 35-jährigen Bestehen (1929) zum Ausdruck kommt. Es ist beachtlich, wie viele Wohnblocks und Siedlungen die Baugenossenschaft des evangelischen Arbeitervereins hat errichten lassen. Ganze Straßenzüge sind davon geprägt, wie die Landmannstraße und die Carl-Vogt-Straße. Und alle stehen unter Denkmalschutz.

Sozialer Wohnungsbau war in den 1920er Jahren, also in der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg, eher die Aufgabe der Stadt. Die BG-Broschüre berichtet von einer verstärkten Wiederaufnahme ihrer Bautätigkeit nach Ende des Krieges. Dafür erwarb man Baugrundstücke am sogenannten Kugelberg hinter der Bergkaserne. Der maßgebliche Architekt war Richard Hamann, nach dessen Plänen die meisten Gebäude zwischen 1922 bis 1937 errichtet wurden. Durch den langen Zeitraum spiegeln sich in diesem Gebiet die verschiedenen Stilrichtungen im Wohnungsbau dieser Jahre. Typisch waren die dazugehörigen Nutzgärten und ein regelmäßiges Fußwegesystem.

Die Bombardierung des Zweiten Weltkriegs hinterließ auch in diesem Stadtgebiet große Lücken, die in den 1950er Jahren wieder gefüllt wurden. Allerdings baute man in vereinfachter Form, also ohne optisch ansprechende Fassadengliederung. Massive Veränderung im Außenbild brachte die Entfernung aller originalen Fenster und Türen. Weitere Maßnahmen folgten, auch von Privatseite, die zu einem »bunten Erscheinungsbild« in dem Gebiet führten.

Dächer mit Schiefer gedeckt

Im vergangenen Jahr hat die Baugenossenschaft die Restaurierung der letzten Gebäude (Kugelberg 57-63) gestartet. Aktuell werden die letzten Arbeiten an der Außenanlage erledigt. Architekt Sebastian Bagsik, der seit sechs Jahren bei der Baugenossenschaft arbeitet, hat die Planung und zu großen Teilen auch die Umsetzung geleitet, immer in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde. Der städtische Denkmalschützer Joachim Rauch ist hocherfreut, dass hier bereitwillig im Sinne des Denkmalschutzes gearbeitet und die Vorgaben nicht als Hindernis angesehen wurden. Denn das erlebt er häufig.

Die Fenster waren zu erneuern, sie erhielten nicht nur die einheitlichen Sprossen, sondern auch die Klappläden zurück. So haben die zweigeschossigen Wohnhäuser plus Dachgeschoss mit ihrer schlichten Ornamentik wieder ihr altes Gesicht zurückbekommen. Das Grüngrau der Klappläden findet sich auch im Innern an den Treppengeländern. Denn auch hier wurde re-konstruiert: der PVC-Belag entfernt und die Holzdielen wieder zum Vorschein gebracht. Die Dachbedeckung wurde ebenfalls vereinheitlicht und komplett mit Schiefer ausgeführt. Die Wohnungen erhielten eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die für ein gutes Raumklima sorgt.

Die größte Veränderung fand hinter dem Haus statt. Im Erdgeschoss wurden Balkone angebaut, analog zu denen im Obergeschoss. »Wohnungen mit Balkon sind einfach attraktiver und lassen sich besser vermieten«, begründet Bagsik diese Maßnahme. Die einst schmalen Streifen der Nutzgärten wurden zu einer Fläche, die mit Rasen eingesät wird. Die unschöne Garagenkolonne dahinter wurde entfernt und durch Stellplätze ersetzt, deren Zahl die der Garagen übersteigt. Die Aussicht hat sich allerdings durch Baumaßnahmen anderer Bauträger verändert: Im Moment werden die letzten Wohngebäude auf dem einstigen Bergkasernen-Areal gebaut. Aktuell herrscht eben wieder eine Phase des verstärkten Wohnungsbaus.

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