15. Dezember 2017, 22:08 Uhr

Im Wahn mit Schusswaffe hantiert

15. Dezember 2017, 22:08 Uhr
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Von Constantin Hoppe

Drogen, Angstzustände und religiöse Halluzinationen – so stellte sich der Zustand des jetzt Angeklagten aus Sicht der Psychologen dar: Als der 31-Jährige im Sommer diesen Jahres in die Gießener Vitos-Klinik eingeliefert wurde, litt er unter erheblichen drogeninduzierten Halluzinationen und Psychosen.

Nach der Überführung in die Klinik in Haina sprach der Angeklagte von Engeln und Teufeln, die er sähe, außerdem sei er »von Gott gesandt«. Doch während seines Klinikaufenthalts besserte sich sein Zustand schnell. Dazu wurden bei dem Prozesstermin am Donnerstag noch einmal behandelnde Ärzte als Zeugen angehört. Nun wird der 31-Jährige auf Anweisung des Gießener Amtsgerichts aus der verordneten Unterbringung in einer Entzugsanstalt entlassen – wenn auch nicht vollständig ohne Bedenken.

Am 31. August 2015 soll der 31-Jährige den Betreiber einer Gießener Spielhalle mit einer Schusswaffe bedroht und 500 000 Euro verlangt haben, später nochmal 200 000 Euro. Auch von einer »Bombe im Rucksack« war die Rede. Dabei habe er nach der Staatsanwaltschaft behauptet, der Teufel zu sein. Nach eigenen Angaben versuchte er jedoch, seinen zwei Jahre jüngeren Bruder von seiner Spielsucht zu befreien.

500 000 Euro gefordert

Seine Schuldunfähigkeit wurde schon zu vorhergehenden Prozessterminen thematisiert: Aufgrund seines jahrelangen Drogenkonsums leidet er an einer Psychose.

Bis jetzt war der in Deutschland geborene Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit in einer geschlossenen Entzugsanstalt untergebracht. Diese darf er nun verlassen, den Gerichtssaal verließ er zum ersten Mal seit vielen Monaten ohne Handschellen und in Begleitung seiner Familie.

Vor Gericht zeigte sich der Beschuldigte weiterhin einsichtig, was seinen Drogenkonsum angeht: »Ich hätte keine Drogen nehmen sollen – ab jetzt will ich auf so etwas verzichten.« Aber seine Aussagen während des Psychiatrieaufenthalts bestritt er vehement. »Ich habe keine Teufel gesehen – so etwas habe ich nie gesagt.« Auch eine Drogen-Therapie lehnte er ab: »Ich sehe da keinen Sinn für mich.« Er wünscht sich, zurück zu seiner Familie in die Türkei zu gehen.

Doch die Entlassung aus der Entzugsanstalt fiel dem Gericht nicht einfach: Viel mehr sei sie hochbedenklich. Während seines Klinikaufenthalts in Gießen konnte er zweimal entweichen – jedes Mal besorgte er sich wieder Drogen und erlitt einen Rückfall. Die Gefahr besteht, dass er erneut rückfällig wird, auch wenn er vor Gericht Besserung und ein drogenfreies Leben gelobte.

Rückfallgefahr besteht

»Aber eine solche Unterbringung ist nur eine Hilfe für den Betroffenen. Wenn er das nicht wünscht, kann man ihn nicht dazu zwingen«, erklärte Richter Jürgen Seichter. Nichtsdestotrotz habe der 31-Jährige ein Problem: »Wir entlassen sie jetzt ohne diese Hilfe – das kann für sie sehr problematisch werden. Bitte seien sie sich dieser Gefahr bewusst und suchen sie einen Arzt auf, wenn es ein Problem geben sollte«, ermahnte der Richter abschließend.



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