13. Juni 2018, 19:00 Uhr

Einer aus Gießen

Immer Kölsch im Keller

Sascha Behr ist einer von 226 Gießenern mit Geburtsort Düsseldorf. Ewig wird er wohl nicht in der hessischen Universitätsstadt bleiben.
13. Juni 2018, 19:00 Uhr
Sascha Behr ist jetzt in der Nordanlage zu Hause. (Foto: Schepp)

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Es ist ein ganz bestimmter Typ Mensch, der in Gießen hängenbleibt, sagt Sascha Behr, als er in Sichtweite der drei Schwätzer aus einer Tasse schlürft. »Es sind Menschen, die ohne großes Tamtam ein cooles Leben führen.« Und dazu gehört der 37-Jährige offenbar selbst. In Düsseldorf geboren, an der holländischen Grenze aufgewachsen, verschlägt ihn das Biologiestudium 2001 nach Gießen – seitdem lebt er an der Lahn und das gerne. Mit einem Kaffee in der Innenstadt sitzen, mit Freunden über Politik diskutieren oder im Botanischen Garten mit der Kamera auf die Jagd gehen – so genießt er die Stadt am liebsten.

Anders als bei vielen seiner Kommilitonen stand Gießen als Studienplatz auf Behrs Wunschliste. Zweimal zuvor war er zu Besuch gewesen, hatte einige Bekannte und mochte die Kleinstadt von Anfang an. Eine Großstadt wie Köln oder Berlin kam für ihn damals nicht infrage. »In Gießen ist eine Person nicht so austauschbar«, sagt er. »Man lernt sich intensiver kennen.« Zudem möge er die Einstellung vieler Gießener, kulturelle Angebote selbst in die Hand zu nehmen – vielleicht auch weil nicht alles schon in Hülle und Fülle vorhanden sei.

Dem Rheinland sehr verbunden

Seiner Heimat, dem Rheinland, ist Behr nach wie vor sehr verbunden. Das hört man nicht nur an seinem leichten Dialekt. Zu Karneval geht’s nach Köln und im Keller seines kleinen Hauses lagert stets eine Kiste Kölsch. Die offene und lebensfrohe Art der Rheinländern vermisse er gelegentlich in Hessen, sagt er.

Zu Hause an seiner Bürotür prangt deshalb ein Poster mit der Aufschrift »Willkommen in Nordrhein-Westfalen«. Im Düsseldorfer Vorort Kaarst/Neuss lebt er bis zu seinem zehnten Lebensjahr, bevor er mit seien Eltern in ein niederrheinisches Dorf an die Grenze zieht. Stropwaffels, Vla und den Blick über den Tellerrand lernt er dort schon als Jugendlicher kennen. »Wir hatten immer Gulden zu Hause und waren heilfroh als der Euro kam«, erinnert er sich. »Daher stammt wohl meine Liebe zu Europa«.

Behr forscht nach seinem Biologiestudium weiter an der Justus-Liebig-Universität über Stammzellen und promoviert in der Humanmedizin. Nach einer Weiterbildung in Köln arbeitet er in der klinischen Forschung, anfangs in Bad Homburg, mittlerweile in Gießen.

In der Forschung tätig

In seinem Job begleitet er Studien für neue Medikamente, etwa gegen Krebs oder chronischen Erkrankungen, die bereits an freiwilligen Patienten getestet werden. »Man bekommt da eine ganze Menge mit, manches ändert den eigenen Blickwinkel auf Krankheit und Gesundheit«, sagt er. »Aber dieser Art der angewandten Forschung finde ich extrem spannend und wichtig.«

Nun ist der Rheinländer schon seit fast 20 Jahren in Gießen – obwohl das eigentlich anders geplant war. »Ich bin mit der Prämisse an die Lahn gekommen, dass ich nicht so lange bleibe«, sagt er. Doch dann kam zuerst die Doktorarbeit dazwischen und dann die Liebe.

Über die Jahre sind außerdem enge Freundschaften entstanden. »Gießen hat mich festgehalten wie ein Magnet. Das hätte ich nicht gedacht«, sagt er und lacht. Dennoch ist für ihn klar: »Ewig kann ich nicht in Gießen bleiben.« Wann und ob die mittelhessische Magnetwirkung nachlässt, bleibt ungewiss.

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