04. Januar 2018, 20:32 Uhr

In den Ferien freiwillig Deutsch pauken

04. Januar 2018, 20:32 Uhr
Najbeera und Amari lernen emsig deutsche Vokabeln. (Foto: Schepp)

»Der Unterhose?«, fragt ein Junge etwas unsicher. »Nein, die Unterhose!«, stimmt der ganze Kreis aus Schülern ein. Deutsche Artikel sind ein kompliziertes Kapitel des Spracherwerbs für Menschen, die eine andere Muttersprache haben. Doch statt nach staubtrockener Grammatik klingt es in diesem Klassenraum eher nach Spaß und Spiel.

35 Schülerinnen und Schüler haben sich freiwillig für einen besonderen Kurs an der Friedrich-Ebert-Schule (FES) in Wieseck angemeldet. In einem »Feriencamp« betreuen fünf Pädagogen Schüler der FES sowie vier weiterer Schulen in Stadt und Landkreis Gießen. Ziel ist, Zugewanderten in einem entspannten Rahmen fern des planmäßigen Unterrichts die »Bildungssprache Deutsch« nahezubringen.

Am Donnerstag kam eine fünfköpfige Delegation aus Wiesbaden zu Besuch: Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU) informierte sich über das vom Land geförderte Pilotprojekt an der Wiesecker Gesamtschule. »Sprache ist nicht alles, aber ohne Sprache geht gar nichts«, sagte der Minister in einer kurzen Ansprache vor Schülern. Deutsch als hiesige Bildungssprache zu lernen, sei »Voraussetzung für eigentlich alles, was man in der Gesellschaft machen will«. Mit dabei waren auch Stadträtin Astrid Eibelshäuser sowie Vertreter des Schulverwaltungsamts und des Staatlichen Schulamts.

Während der Minister vor einer Fernsehkamera spricht, brüten im Hintergrund die Schüler wieder über ihren Arbeitsblättern. In regulären Schulstunden sei Frontalunterricht noch immer ein Bestandteil. Dagegen müsse der Deutschunterricht für Fremdsprachler sich gezielt an den Erfahrungen der Schüler orientieren, erklärt Thomas Warnicke, einer der Wintercamp-Pädagogen. »Die Schüler haben auf der Flucht teilweise Wörter aus verschiedenen Sprachen aufgeschnappt«, daran könne man spielerisch anknüpfen. Es sei immer wieder erstaunlich, wie die Kinder und Jugendlichen komplizierte deutsche Grammatik verinnerlichten, die Deutsch-Muttersprachler quasi »mit der Muttermilch« aufsögen.

Die Teilnehmer stammen aus mehr als einem Dutzend verschiedenen Länder, unterscheiden sich auch in Alter und Sprachkenntnissen. Einige können noch kaum Deutsch, andere sind schon auf Realschul-niveau. Die Camp-Tage beginnen mit gemeinsamem Sport und Kreativarbeiten, auch ein internationales Frühstück und mehrere Pausen gehören dazu. Betreut werden die Schüler von 8 bis 15 Uhr in kleineren Gruppen. Durch den Landeszuschuss belaufen sich die Kosten für die Eltern auf lediglich 20 Euro für vier Tage. Vorbereitet wurde der Kurs, der auf selbstständiges Lernen abzielt, von Lehrern der FES. Für die Umsetzung wurden schulfremde Lehrer und Studenten gewonnen.

Am Dienstag hatte das viertägige Feriencamp begonnen. Es läuft zurzeit als Pilotprojekt an der FES, eine zweite Schule in Gründau zieht kommende Woche nach. Mit ähnlichen Schwerpunkttrainings in den Osterferien hat das Ministerium landesweit schon gute Erfahrungen gemacht, auch an der FES. Diese »Ostercamps« an rund 40 Schulen seien allerdings in erster Linie für versetzungsgefährdete Schüler vorgesehen, wie der Minister erklärte.

Um beurteilen zu können, ob sich auch die Intensivtage für Zugewanderte in der Praxis bewähren, hatte Lorz Experten aus dem Kultusministerium mitgebracht, die nach dem Hineinschnuppern in den Feriencamp-Alltag gezielt bei Schulleitung und Lehrpersonal nachfragten. »Irgendwann müsste ich das absegnen«, sagte der Minister in der Abschlussrunde, doch zuvor wolle er sich ein genaues Bild machen. Lorz war voll des Lobes für das Engagement an der Schule. Gut möglich, dass die Visite in Gießen wesentlich zu einer hessenweiten Etablierung des Pilotprojekts beitragen wird.

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