04. September 2019, 14:00 Uhr

Vereine

Ingrid Paulus: Die ewige Egerländerin

Keine Aktiven in den Vereinen?. Mit dem Problem haben die Egerländer Gmoi in Gießen nicht zu kämpfen, denn sie haben Ingrid Paulus. Seit 28 Jahren ist sie »Vüarstäihere«. Jetzt wird sie 75.
04. September 2019, 14:00 Uhr
Geburtstagskind Ingrid Paulus mit ihren Puppen in Karlsbader Tracht und der Tracht der Stadt Eger. (Foto: Schepp)

Auf die gute alte Zeit kommt Ingrid Paulus gerne zu sprechen. Wenn sie von Auftritten der Tanzgruppe erzählt oder Gastspiele der Singgruppe beschreibt, leuchten ihre Augen. Und wer sich im Haus der Frau umschaut, die am heutigen Mittwoch ihren 75. Geburtstag feiert, fühlt sich fast wie in einem kleinen »Egerländer-Museum«. Das Zuhause in der Kleinlindener Markwaldsiedlung wird geschmückt von Bildern, Abzeichen, Wimpeln und Puppen, die an die Egerländer Heimat erinnern. »Wir sind mittlerweile ein Seniorentreff«, sagt sie, wenn sie über die Egerländer Gmoi spricht. Der Verein, dem sie seit 1991 vorsteht, ist von einst 356 auf 120 Mitglieder geschrumpft. Tanz- und Singgruppe haben sich mittlerweile aufgelöst, doch das tut dem Enthusiasmus keinen Abbruch. »Die Menschen besuchen nach wie vor begeistert unsere Veranstaltungen«, berichtet die »Gmoimutter«.

Offenbar schafft es Ingrid Paulus noch immer, die Begeisterung, mit der sie selbst 1966 der Gmoi beigetreten ist, auf andere Mitglieder zu übertragen. Die Egerländer organisieren nach wie vor bis zu zwei Tagesfahrten im Jahr, treffen sich zum Hutza-Nachmittag - und die besonders aktive Frauengruppe organisiert regelmäßig Stammtische und Kaffeenachmittage. »So lange Kraft und Energie da sind und die Gesundheit mitspielt, mache ich weiter«, sagt die Neu-Fünfundsiebzigerin. Dabei musste sie ihren Wahlspruch »einen Egerländer haut so schnell nichts um« bereits in jungen Jahren häufiger bemühen, als ihr vielleicht lieb war. 1946 wurde die damals 18 Monate alte Ingrid gemeinsam mit ihrer Familie aus der Heimat Sittmesgrün im Kreis Karlsbad vertrieben. Ihre erste Bleibe fand sie in Allendorf/Lahn, das damals noch selbstständige Landkreisgemeinde war. »Auf Allendorf lasse ich nichts kommen«, erinnert sie sich gern an die Heimat ihrer Kindheit und die »spielerische Integration«, die sie damals erlebte. »Wir Kinder sind schnell warm miteinander geworden.«

1957 zog sie mit der Familie ins Eigenheim nach Kleinlinden, wo sie heute noch lebt. Vor allem ihre Großmutter vermittelte ihr damals erste Kontakte zu Sprache und Brauchtum der Egerländer. Der Grundstein war gelegt, 1966 wurde sie Mitglied der Gmoi. Die Liebe zum Volkstanz, zu Egerländer Trachten, zu Gesang und Blasmusik waren damals ausschlaggebend - diese Zuneigung ist bis heute erhalten geblieben.

Überhaupt gehören Begeisterungsfähigkeit und Durchsetzungskraft zu den herausragenden Eigenschaften der Egerländer-Vorsitzenden, die für ihr jahrzehntelanges Engagement unter anderem mit Bundesehrennadel, Bundesehrenzeichen, dem Landesehrenbrief und der Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland geehrt wurde.

Das Engagement an der Spitze der Egerländer wäre ohne ihre Familie nicht möglich. Lebensgefährte Hermann Thomé ist selbst in der Gmoi aktiv und die mittlerweile 17-jährige Enkelin Sarah Michelle ist Omas ganzer Stolz. »Im Herzen gutmütig und stets lustig« - Ingrid Paulus bezeichnet sich selbst als »typische Egerländerin«. Wenn jemand ihre Gutmütigkeit ausnutzt oder sie sich ungerecht behandelt fühlt, »dann verstehe ich keinen Spaß und kann ziemlich grob werden«. Diese Erfahrung mussten beispielsweise einige Vertreter der Stadt nach der strukturellen Veränderung des Musikalischen Sommers auf dem Schiffenberg 2014 machen. Bedenken, sie könne mit 75 zum alten Eisen gehören, plagen sie nicht. »Man ist immer so jung, wie man sich fühlt.«

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