07. März 2019, 22:11 Uhr

Jeden Donnerstag Schwarz tragen

07. März 2019, 22:11 Uhr
Schwarze Kleidung und der Button »Unterwegs zu einer Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt« sollen jeden Donnnerstag Gesprächanstöße geben. (Foto: Schepp)

»Nähe, die heil macht – wir können dich finden, du Wunder des Lebens.« Die etwa 20 Frauen und der eine Mann in der Pankratiuskirche singen das christliche Lied vielleicht mit anderen Gedanken als sonst. Die Andacht am Abend des Aschermittwoch ist der weltweiten Bewegung »Donnerstags in Schwarz – Für eine Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt« gewidmet. Die Evangelischen Frauen vor Ort haben sie erstmals nach Gießen gebracht. In den nächsten sieben Wochen soll Gewalt jeden Donnerstag Gesprächsstoff im Alltag werden.

Die »Thursdays in Black« entstanden aus der Dekade der Kirchen in Solidarität mit den Frauen (1988 – 1998) des Ökumenischen Rates der Kirchen. Die Initiatorinnen wollen Vergewaltigung als Kriegswaffe, geschlechtsbezogene Ungerechtigkeit, Misshandlung und die oft tragischen Folgen nicht länger schweigend hinnehmen. Zugleich machen sie aufmerksam auf die Kraft und den Mut derer, die der Gewalt widerstehen. Inspiriert wurde ihr Vorgehen unter anderem von den »Mütter von Verschwundenen« in Argentinien, von den »schwarz gekleideten Frauen« in Israel und Palästina sowie von der südafrikanischen Black Sash-Bewegung.

»Wir sind darauf durch die Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau aufmerksam geworden«, sagt Pfarrerin Angelika Maschke vom Dekanatsfrauenausschuss. »Für uns ist es wichtig, über den Tellerrand herauszuschauen.« In den Texten der Andacht wird unter anderem »das Inschutznehmen der Täter und Täterinnen, auch in Kirchen« angeprangert. Gewaltopfer hörten manchmal »Gott gibt dir das zu tragen auf.« Dabei gelte es, das Schweigen zu brechen.

Die Frauen am Altar nennen schockierende Zahlen: Eine von drei Frauen erlebt körperliche oder sexuelle Gewalt, meistens durch den Partner. Weltweit erleben mehr als acht von zehn Mädchen vor ihrem 17. Geburtstag Belästigung auf der Straße. 70 Prozent der Opfer von Menschenhandel sind Frauen und Mädchen. Jedes vierte Kind unter fünf Jahren lebt in einem Haushalt, in dem es Gewalt durch Angehörige ausgesetzt ist.

»Zollen wir Frauen Respekt, die Diskriminierung und Gewalt die Stirn bieten. Ermutigen wir andere, sich anzuschließen«, so der Appell. In den sieben Wochen der Passionszeit sollen Menschen »aus der Komfortzone herauskommen« und »das Leben in seiner Zerbrechlichkeit und Kostbarkeit bedenken«.

Mitmachen können alle Interessierten, Frauen wie Männer. Bis Gründonnerstag sollen sie jeden Donnerstag schwarze Kleidung tragen und gut sichtbar den Anstecker »Unterwegs zu einer Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt – donnerstags in Schwarz«. Damit wollen sie ihre Umgebung auf das Thema aufmerksam machen und möglichst ins Gespräch darüber kommen. Das Schwarz stehe bei dieser Kampagne für »Widerstand und Resilienz«, also die Fähigkeit, belastende Erlebnisse zu verarbeiten.

»Nehme ich mir ein Herz und folge meinem Gefühl? Lasse ich die Not anderer an mich heran oder stört mich die Not?«, fragen die Initiatorinnen vom Dekanatsfrauenaussschuss. Und sie schließen: »Unsere Hoffnung ist, dass Unmenschlichkeit, Gewalt und Frauenhass nicht das letzte Wort haben werden auf dieser Welt.«

Kritik an Verhalten der Kirchen

Zusammenkünfte sind nach der Auftaktandacht nicht mehr geplant. Aber jede Woche beleuchtet ein E-Mail-Newsletter den Themenkomplex aus neuen Perspektiven. Gießener Gruppierungen und Protagonist/innen von Alarm gegen Sexkauf bis zur Oase für obdachlose Frauen, von der Ärztin Kristina Hänel bis zum kommissarischen evangelischen Dekan Andreas Specht wollen mit ihren Texten Denkanstöße geben. Wer den Newsletter erhalten will, kann sich unter Donnerstags_in_Schwarz_Giessen@gmx.de anmelden oder im Kirchenladen am Kirchenplatz. Dort sind auch Kampagnen-Buttons erhältlich.

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