09. Februar 2015, 21:13 Uhr

Journalismus keine »Männerhochburg« mehr?

Gießen (sis). Verändern Frauen den Journalismus? Dieser Frage gingen Praktiker bei einer Podiumsdiskussion nach. Eingeladen hatten Prof. Ulrike Weckel und Studentinnen des Uni-Studiengangs Fachjournalistik Geschichte. »Männerhochburg im Umbau« war der Titel. Mit dabei: Carmen Thomas, ein Urgestein des deutschen Journalismus.
09. Februar 2015, 21:13 Uhr
Seminarleiterin Prof. Ulrike Weckel (l.) mit den Gästen – darunter Carmen Thomas (4. v. l.) – sowie Studentinnen des Studiengangs Fachjournalistik Geschichte. (Foto: sis)

Unter anderem hatte sie 1973 als erste Frau im deutschen Fernsehen das »Aktuelle Sportstudio« moderiert. Ein weiterer hochkarätiger Gast, Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, musste am Freitag ihre Teilnahme aus beruflichen Gründen kurzfristig absagen.

Als Frau müsse man in dem Beruf »ein dickes Fell haben«, unterstrich Thomas. Immer wieder habe sie Morddrohungen erhalten, sei in Briefen optisch und fachlich kritisiert worden und habe ihre Ideen vor allem innerhalb des Senders vehement verteidigen müssen. »Als Frau hat man meist dann eine Chance, wenn sich kein männlicher Nachfolger für eine Sendung findet, der sich traut, in die großen Fußstapfen des erfolgreichen Vorgängers zu treten«, fasste die Pionierin in der Funk- und Fernsehwelt ihre lange Karriere zusammen.

Chris Köver, Chefredakteurin des seit 2008 erscheinenden »Missy Magazines« und freie Redakteurin der »Zeit«, ging mit Thomas nicht ganz konform. Gerade Frauen seien menschlich sehr unterschiedlich. Sie müssten vom Konkurrenzdenken wegkommen, das Mädchen schon mit in die Wiege gelegt werde. Sie betonte allerdings auch, dass es für eine erfolgreiche Frau heute sogar noch schwieriger sei, ihre Karrierewünsche auszuleben, da sich mit dem Internet eine öffentliche Plattform für Hasstiraden und bösartige Kritik entwickelt habe. – Robin Detje, Schauspieler und ehemaliger Leiter des Ressorts »Literatur« bei der Zeit, sprach von »menschlichen Abgründen«, die sich in der oberen Etage einer Zeitung oder auch innerhalb des Fernsehgeschäfts auftäten. Er berichtete von der Bloßstellung von Entwicklerinnen von Computerspielen, die radikal für ihre stärker emanzipatorischen Rollenmodelle angegriffen würden.

Die Frage, ob man Angriffe auf die Arbeit und Person lieber veröffentlichen oder ignorieren solle, beantwortete das Podium nicht einstimmig. Früher habe sie sich keine Gedanken darüber gemacht, ob sie Moderator oder Moderatorin sei, erklärte Thomas ihre Position zum Feminismus. Wenn die Frau aber schon in der Sprache nicht vorkomme, sei es um die berufliche Akzeptanz schlecht bestellt. »Verschiedenheit ist ein Wert, den wir achten müssen, nicht verachten!«, so Thomas.

Eine Sonderstellung hatte Georg Cadeggianini inne. Der siebenfache Familienvater schreibt für die Frauenzeitschrift »Brigitte« und schätzt die Arbeit innerhalb einer weiblich dominierten Redaktion. Allerdings warf er die Frage in den Raum, ob nicht vielleicht gerade deshalb immer mehr Frauen im Journalismus tätig werden, weil es heute weitaus attraktivere Berufsfelder für Männer gebe. Der Journalismus sei schon aus diesem Grund die längste Zeit eine Männerhochburg gewesen.

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