07. Mai 2010, 15:42 Uhr

Jürgen Roth in der Thalia-Buchhandlung

Am Donnerstag war Jürgen Roth gekommen, um vor rund zehn Zuhörern in der Thalia-Buchhandlung sein neues Buch »Gangsterwirtschaft. Wie uns die organisierte Kriminalität aufkauft« vorzustellen.
07. Mai 2010, 15:42 Uhr
Jürgen Roth informiert über organisiertes Verbrechen. (Foto: olz)

Die Zahl klingt unglaublich: 40 Milliarden kriminell erwirtschaftete Euro seien allein im letzten Jahr in die deutsche Wirtschaft geflossen. Das sagt Jürgen Roth, einer der führenden investigativen Journalisten Deutschlands und Experte für organisierte Kriminalität. Am Donnerstag war er gekommen, um vor rund zehn Zuhörern in der Thalia-Buchhandlung sein neues Buch »Gangsterwirtschaft. Wie uns die organisierte Kriminalität aufkauft« vorzustellen.

Schon seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der in Frankfurt lebende Autor, der durch zahlreiche Bücher auch zum Thema Kriminalität bekannt geworden ist, mit dem organisierten Verbrechen. Unter anderem anhand von Zeugenaussagen, Polizeiberichten und selbst geführten Interviews benennt er in seinem aktuellen Werk nicht nur Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Kriminalität, sondern auch unterschiedliche Formen krimineller Machtausübung. Dabei unterscheidet Roth, der sich lange Zeit mit der italienischen Mafia beschäftigt hat, im Wesentlichen zwischen der »Partitio«, der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, und »territorialer Herrschaft«, die es zweifellos auch in Deutschland gebe.

Doch wie sieht diese »Partitio« aus? Zunehmend bestehen kriminelle Strukturen, die nicht als solche erkannt werden, wie Roth betonte. Um überleben zu können, suchen etwa immer mehr Unternehmen die Verbindung zu originären verbrecherischen Organisationen, die ihrerseits - wie zum Beispiel die italienische Mafia, die Roth auch in Nordhessen ausgemacht hat - in Deutschland Geld investieren und so mehr und mehr Macht und Einfluss gewinnen.

Diese Entwicklung erläutert der Journalist anhand zahlreicher Beispiele in seinem Text und sagt dabei auch, dass die deutsche Öffentlichkeit darüber nicht informiert wird. Viel offensichtlicher sei dagegen die »territoriale Herrschaft«, die Roth unter anderem in Hannover ausgemacht hat, wo im dortigen Vergnügungsviertel »Steintor« nicht mehr die Polizei, sondern eine bekannte Motorradgang für Recht und Ordnung sorge. Besonders nachdenklich zeigte sich Roth gerade in diesem Fall darüber, dass die Gruppe von den Bürgern akzeptiert werde.

Ein Patenrezept, diesen Entwicklungen im Ganzen zu begegnen, habe er nicht, erklärte der Autor im Verlauf der Diskussion im Anschluss an die Lesung. Es gehe ihm vor allem darum, die Öffentlichkeit zu informieren. »Haben Sie gar keine Angst um ihre persönliche Sicherheit?«, fragt ihn einer der Zuhörer. In Deutschland sehe er sich keiner unmittelbaren Gefahr ausgesetzt, entgegnet der Schriftsteller, der jedoch betont, dass hier immer auch das Risiko gerichtlicher Klagen gegen seine journalistische Arbeit bestehe. olz



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