05. September 2018, 15:46 Uhr

Politik und Bier

Juso-Chef Kühnert auf WG-Tour in Gießen

Gemeinsam mit dem hessischen SPD-Vorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel hat Juso-Chef Kevin Kühnert eine Wohngemeinschaft in Gießen besucht. Ein Thema: Die hohen Mieten.
05. September 2018, 15:46 Uhr
Dämmerschoppen in der Frauen-WG: Thorsten Schäfer-Gümbel (2. v. l.) und Kevin Kühnert (3. v. l.) im Alten Wetzlarer Weg. (Foto: Schepp)

Stimmengewirr und ein das Geräusch scheppernder Flaschen dringt am frühen Montagabend aus dem Treppenhaus in die Wohnung im zweiten Stock. Durch die Tür trägt der hessische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel eine Bierkiste, hinter ihm betritt ein bekanntes Gesicht aus der Bundespolitik die Wohnung im Alten Wetzlarer Weg. Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten und in der Kontroverse um die Wiederauflage der Großen Koalition in Berlin zum Politstar aufgestiegen, begleitet den hessischen Spitzenkandidaten auf Wahlkampftour.

»Das ist mein erster Gießen-Besuch«, sagt Kühnert, ehe mit den Gastgeschenken und den vier Gastgeberinnen angestoßen wird. Die Zeichen stehen auf Abschied in der Frauen-WG. Die abgewetzte Wohnung wird saniert, die vier Mieterinnen haben bereits gekündigt. Gerne wären sie in der Formation zusammengeblieben, aber zu viert in Gießen eine ähnlich große Wohnung zu finden, »das kannst Du vergessen«, sagt Johanna Lander, die in der Juso-Hochschulgruppe mitarbeitet und den beiden Spitzengenossen die Wohnungstür quasi geöffnet hat.

 

Mieterhöhung steht an

1200 Euro kalt hat das Quartett für die 144 Quadratmeter große Wohnung bezahlt, nach der Sanierung steht eine Mieterhöhung an. »Ich bin jetzt schon an der obersten Grenze, was ich für eine Wohnung ausgeben kann«, sagt Lander. Mit einer Freundin hat sie eine neue Wohnung in Gießen gefunden, aber das sei eher Glück gewesen. »So bleibt mir wenigstens das WG-Casting erspart. Das kostet massig Zeit und Nerven«, sagt Lander. WG-Bewohner Kühnert nickt. »Als wir eine Wohnung weitervermieten wollten, hatten wir innerhalb kürzester Zeit 200 Bewerbungen.«

Eine von Johannas Mitbewohnerinnen kritisiert die Baupolitik der Stadt. Die vielen Neubauwohnungen seien für Studierende unerschwinglich. »600 Euro kalt für ein Einzimmer-Appartement, das kann sich von uns keine leisten«, sagt die angehende Lehrerin. Und viele Wohnungen in den Studentenheimen seien veraltet, »ohne W-Lan«, wie Lander bemerkt. Hessen habe diesbezüglich Nachholbedarf, schaltet sich Schäfer-Gümbel ein: »Beim Anteil der Studierenden, die in einem Wohnheim wohnen, liegt Hessen bundesweit mit sieben Prozent ganz hinten.«

 

Überfüllte Busse

Auf die Frage der beiden Wahlkämpfer, welche Themen ihnen wichtig seien, werden neben dem Wohnen der Öffentliche Nahverkehr und die Integrationspolitik genannt. Lander bemängelt überfüllte Busse und ungünstige Linienführungen, so fehle eine schnelle Verbindung von der Rathenaustraße zum Bahnhof. Der sogenannte Uni-Express ist von der Stadt zwar angekündigt worden, aber eben noch keine Realität. »Es kann schon mal passieren, dass ich eine halbe Stunde mit dem Bus zur Uni brauche«, berichtet Lander. Von den Verbindungen ins flache Land hinaus ganz zu schweigen.

Ein Thema sind natürlich auch die aktuellen Ereignisse in Chemnitz. Dass Rechtsextremisten zu Tausenden die Straße beherrschen, bedrückt die Runde, die Entwicklung in Teilen der früheren DDR macht ratlos. Eigentlich wollen Kühnert und Schäfer-Gümbel die nächste WG besuchen, als aber immer mehr junge Leute in die WG drängen, um gemeinsam zur Demo »gegen rechte Hetze« aufzubrechen, ändern die beiden spontan ihren Fahrplan und stehen eine Viertelstunde später in der Menge auf dem Rathausplatz. »Wir sind mehr«, skandieren die über 500 Demonstranten. Für Gießen stimmt das ganz bestimmt – nicht nur an diesem Abend.

Zusatzinfo

Schlechte Wohnheim-Quote

Nach einer statistischen Übersicht des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2017 können in Marburg 9,1 Prozent in ein Wohnheim ziehen, in Darmstadt sind es 7,4Prozent, in Frankfurt sieben. In Gießen leben 6,8 Prozent in öffentlich gefördertem Wohnraum. Auf Länderebene schneidet lediglich Berlin schlechter ab als Hessen. Thüringen hingegen kann einen Anteil von 15 Prozent vorweisen, Hessen will durch Zubau nun auf zehn Prozent kommen.

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