29. November 2018, 19:00 Uhr

Raubüberfall

Juwelier im Gießener Seltersweg wegen Spielschulden überfallen

Dramatische Szenen spielen sich im Juni im Seltersweg ab: Vier Räuber stürmen am hellichten Tag den Juwelier gegenüber den drei Schwätzern. Jetzt wird den Tätern der Prozess gemacht.
29. November 2018, 19:00 Uhr
Einer der Räuber erkennt vom ersten Stock des Juweliergeschäfts die aussichtslose Lage und ergibt sich. (Foto: Archiv)

W as bringt drei serbische Studienabbrecher und einen Kellner aus Montenegro dazu, an einem Freitagvormittag in Gießen ein Juweliergeschäft auf dem Seltersweg zu überfallen? In einem Land, zu dem sie keine Beziehung hatten? In einer Stadt, die ihnen vollkommen unbekannt war? Die Antwort der Männer: Spielschulden. Beim Prozessauftakt am Gießener Landgericht am Mittwoch waren die vier Angeklagten zwischen 33 und 38 Jahren geständig. Sie gaben zu, am 29. Juni diesen Jahres maskiert, mit einer Schusswaffe sowie einer Gaspistole in das Geschäft eingedrungen zu sein und zwei Kundinnen sowie zwei Mitarbeiter bedroht zu haben. Sie wollten Schmuck im Wert von 100 000 Euro erbeuten. Der Überfall ging jedoch gehörig schief.

Denn der Inhaber befand sich damals zwar nicht im Laden, aber in unmittelbarer Nähe. Als er Hilfeschreie hörte, stürmte er hinein. Dort bedrohte im Erdgeschoss gerade ein Mann die Kundinnen und Mitarbeiter mit einer Schusswaffe, während die drei anderen Männer in der ersten Etage Schmuck in zwei Taschen füllten. Der Inhaber stieß den bewaffneten Räuber um und ermöglichte so den Kundinnen und seinen Mitarbeitern die Flucht. Mehrere Passanten versperrten danach die Tür – unter anderem mit einer Krücke. Eine Menschentraube bildete sich vor dem Juweliergeschäft, bis die Polizei eintraf und die vier Männer widerstandslos festnehmen konnte. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern schweren Raub vor. Der Strafrahmen für dieses Delikt liegt zwischen fünf und 15 Jahren.

Zwei Angeklagte machten über ihre Verteidiger Dietmar Kleiner und Alexander Hauer Einlassungen zur Sache – sie gaben also Stellungnahmen ab. Zwei weitere Angeklagte schlossen sich dem an. Die Statements zeichnen das Bild von vier Männern, die wegen ihrer horrenden Spielschulden und Drohungen vonseiten ihrer Gläubiger in einem Raubüberfall die Lösung ihrer Probleme sahen. Einer von ihnen soll innerhalb von zwei Jahren Schulden in Höhe von 20 000 Euro angehäuft haben – bei einem Einkommen von 500 Euro im Monat eine Summe, die nur schwer abzuzahlen sei, betonte der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Bergmann.

 

450 Euro für zwei Schusswaffen

Kleiner gab an, zwei der Männer hätten sich bereits aus der Grundschule in Belgrad gekannt, sich aber aus den Augen verloren. Erst im März diesen Jahres hätten sie sich durch einen Zufall wiedergesehen. Dabei wäre ihnen eine Gemeinsamkeit aufgefallen: erhebliche Spielschulden. Sie hätten dann den Plan geschmiedet, ein Juweliergeschäft zu überfallen. Die beiden anderen Männer seien später hinzugezogen worden. Landsleute, die in Offenbach leben und sich ab und an in Belgrad aufhalten würden, hätten einem der Angeklagten Handyfotos des Juweliergeschäfts und der Örtlichkeiten sowie einen Straßenplan von Gießen geschickt.

Laut Einlassung reisten die Männer von Belgrad über Prag nach Frankfurt. Dort hätten sie von ihren Kontaktleuten aus Offenbach ein Appartement vermittelt bekommen. Zwei Mal wären sie mit dem Zug und einmal mit dem Auto nach Gießen gefahren, um die Umgebung des Geschäfts auszukundschaften und einen Fluchtweg auszuarbeiten: über die Südanlage und die Frankfurter Straße nach Kleinlinden. Dort wollten die Männer ihre Beute in einem Waldstück verstecken, um sie später dort abzuholen. Die Schusswaffen hätten sie für 450 Euro in einer von Landsleuten besuchten Gaststätte in Frankfurt erworben. Damit wollten sie nach eigenen Angaben nur drohen, die Pistolen aber nicht einsetzen. Für einen Fahrer rechneten sie außerdem 1000 Euro ein – 500 Euro vor und 500 Euro nach dem Überfall.

Um 9.30 Uhr, sagte Strafverteidiger Dietmar Kleiner, seien die Männer aus Frankfurt nach Gießen aufgebrochen. Im Gepäck: zwei Taschen, eine Gaspistole mit sechs Schuss und eine Pistole mit fünf Schuss scharfer Munition, Handschuhe sowie Masken aus zerschnittenen T-Shirts. Um 10.30 Uhr hätten sie noch einmal das Juweliergeschäft ausgekundschaftet. Um kurz vor 11 Uhr dann der Überfall. Vier Minuten später klickten die Handschellen – und viele Passanten applaudierten der Polizei.

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