07. August 2018, 21:50 Uhr

Käferwunder im Botanischen Garten

07. August 2018, 21:50 Uhr
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Von Hans Bahmer
Käfer von Kaugummi angelockt. (Foto: hsb)

Gießen (hsb). Ende Juli hatte sich der Seidenbienen-Ölkäfer (Stenoria analis) in dieser Saison zum ersten Mal im Botanischen Garten gezeigt. Er tritt damit bereits im dritten Jahr in der Stadt an der Lahn auf. Wer hätte schon vermutet, dass sich im Zentrum von Gießen ein Käfer aufhält, der nach der noch gültigen Roten Liste von 1998 in Kategorie 0 aufgeführt ist, also eigentlich als verschollen oder ausgestorben gilt. Was Gießen für das Kerbtier so interessant macht, ist einer Nistkolonie der Efeu-Seidenbiene geschuldet, die im Botanischen Garten 2013 zum ersten Mal nachgewiesen wurde. Beim Seidenbienen-Ölkäfer handelt es sich nämlich um einen Brutparasiten dieser Wildbiene.

Nach der Paarung legen die Käferweibchen ihre Eier an Pflanzen in der Nähe des Wildbienennistplatzes ab. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich an den Bienenmännchen festklammern. Bei der Bienenpaarung wechseln die Larven auf die Bienenweibchen und gelangen so in das Nest. Dort ernähren sie sich von dem von der Wildbiene eingetragenen Nektarpollen-Gemisch auf Kosten des Bienennachwuchses. Die Ausbreitung der Efeu-Seidenbiene ermöglicht daher auch dem seltenen Käfer eine Arealerweiterung.

Flirt mit Menschen

Die Gießener Käferpopulation zeichnet sich aber noch durch eine zusätzliche Besonderheit aus. Bereits 2016 wurde der Beobachter von den Käfern aktiv angeflogen. Aber nur, wenn ein bestimmter Kaugummi gekaut wurde. Die Hypothese ist, dass beim Kauen des Kaugummis Stoffe freigesetzt werden, die den Käfermännchen flirtende Käferweibchen vorgaukeln. Forscher versuchen inzwischen mit wissenschaftlichen Methoden, die Ursachen für das in Gießen beobachtete Phänomen zu finden. Bis das Rätsel gelöst ist, bleibt es allerdings ein Käferwunder.



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