13. Oktober 2019, 14:00 Uhr

»reCup«

Kaffebecher-Pfandsystem jetzt auch in Gießen

Coffee-to-go-Becher sind ein Fluch für die Umwelt. In Deutschland werden jährlich knapp drei Milliarden Stück verbraucht. Eine Gruppe Gießener Café-Betreiber will etwas dagegen tun. Mit »reCup«.
13. Oktober 2019, 14:00 Uhr

Bei »Schwätzer&Söhne« einen Kaffee mitnehmen, beim »Shepherds« im Neuenweg den Becher abgeben und Pfand dafür kassieren: Eine Idee, die schon länger in der Stadt herumgeistert. Jetzt ist sie Realität geworden. Mehrere heimische Café-Betreiber haben sich dem Mehrwegbechersystem »reCup« angeschlossen. Dazu gehören auch der Unverpacktladen und die Siebenkorn-Filialen. Die Bäckerei Lambertz und Bäcker Braun haben auch schon ihre Teilnahme angekündigt. »Das freut uns sehr«, sagte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich am Freitagmittag in der Johannette-Lein-Gasse. Die teilnehmenden Geschäftsleute und Vertreter der Stadt hatten sich hier getroffen, um das Projekt bekannter zu machen. Und gleichzeitig neue Mitstreiter zu gewinnen.

Laut einer Studie des Umweltbundesamts verbrauchen die Deutschen jedes Jahr rund 2,8 Milliarden Wegwerfbecher und 1,3 Milliarden Deckel. Das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie hat schon vor einigen Jahren ausgerechnet, dass für die Produktion der Pappbecher jährlich 2,5 Millionen Bäume abgeholzt werden müssen. Hinzu kommen laut Umwelthilfe 1,5 Milliarden Liter Wasser und 11 000 Tonnen Kunststoff. Kein Wunder, dass der Pappbecher zu einem Inbegriff für Umweltverschmutzung geworden ist.

Das von dem Unternehmen »reCup« eingeführte bundesweite Pfandsystem für Kaffeebecher könnte Abhilfe schaffen. »Deutschlandweit gibt es schon 3000 Ausgabestellen«, sagt Evelina Stober vom Klimaschutzmanagement der Stadt. Stober hat das Projekt mit auf den Weg gebracht, zuvor hatten sich schon Ricarda-Huch-Schüler sowie Mitglieder der lokalen Agendagruppe »Urbane Gewässer und Gärten« mit potenziellen Mehrwegsystemen beschäftigt.

Philipp Kübler von »Schwätzer&Söhne« ist von dem Konzept überzeugt. Daher hat das beliebte Café in der Johannette-Lein-Gasse gleich 100 Becher bestellt. Aufwand und Kosten seien überschaubar, sagt Kübler. »Wir zahlen pro Becher einen Euro Pfand an ›reCup‹. Unsere Kunden zahlen ebenfalls einen Euro Pfand. Wir müssen dadurch zwar mehr spülen als vorher, aber das ist okay. Schließlich ist es für eine gute Sache.« Der hat auch für Louisa Willner aus dem Unverpackt-Laden Priorität. »Wir wollen Müll vermeiden. Ganz einfach.« Positiver Nebeneffelt: Durch die Auflistung in der »reCup«-App werden auch neue Kunden auf die beteiligten Cafés aufmerksam.

Ein Euro Pfand

Laura Schäfer aus dem »Shepherds« betont, dass der Aufwand für die Unternehmen sehr gering sei, die Anmeldung verlaufe unkompliziert, die monatliche Systemgebühr von 31 Euro sei fair, zumal man den Kauf von Einwegbechern spare. »Mir schmeckt der Kaffee auch besser als aus dem Pappbecher«, betont die »Shepherds«-Chefin.

Nun hoffen die Beteiligten, dass noch viele weitere Geschäftsleute hinzukommen. »Es wäre schön, wenn wir bald auf 30 Abgabestellen kommen«, sagt Weigel-Greilich. Denn ab dieser Größe liefert reCup auch individuell gestaltete Becher. Auf der Berliner Variante sind zum Beispiel der Fernsehturm und das Brandenburger Tor zu sehen. Gut möglich also, dass in Gießen bald türkisfarbene Kaffeebecher mit dem Abbild des Elefantenklos im Umlauf sind.

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