01. Mai 2019, 23:01 Uhr

Kaplan Busch als Lebensretter

Für seine Zivilcourage ist Johannes Busch mit der Hessischen Rettungsmedaille ausgezeichnet worden. Der Priester war im Dezember 2017 einer Frau zur Hilfe geeilt, die von ihrem Ex-Mann mit einem Messer bedroht worden war. Einen Mann hatte der Täter bereits verletzt und ihm das halbe Ohr abgetrennt.
01. Mai 2019, 23:01 Uhr
Tatort Walltorstraße: Hier ereignete sich der Überfall.

Ein kalter Dezemberabend. Waren das nicht Schreie? Kaplan Johannes Busch ist in der Walltorstraße unterwegs, um eine Freundin nach Hause zu begleiten. Die jungen Leute verharren einen Moment. Und wirklich. Sie hören eine Frau rufen und sehen, wie sich ein Mann mit einer Frau entfernt. Der Mann hat die Arme um Hals und Schulter der Frau gelegt, mehr ist zunächst nicht zu erkennen. Auf dem Boden sieht der 32-Jährige Blut, einen Hammer und eine Tasche. Aus Sorge bittet Busch seine Begleiterin zu warten; er selbst fährt mit dem Fahrrad hinter dem Paar her. Auf seine Frage, ob alles in Ordnung sei, bestätigt der Mann dies mit dem Hinweis, er sei der Ehemann. Das Verhalten kommt Busch merkwürdig vor, und er versucht, sein Fahrrad zwischen dem Paar zu positionieren. Bei erneuter Nachfrage bittet die Frau schließlich um Hilfe: Sie sei ihrem Mann nicht freiwillig gefolgt; dieser bedrohe sie und habe bereits ihr Kind gekidnappt. Nach dieser Offenbarung ergreift der Täter die Flucht. Er wird wenige Tage später von der Polizei im Ausland gefasst. Busch kümmert sich um die Frau, die nicht verletzt ist, aber unter Schock steht. Erst dann entdeckt der junge Geistliche, dass es bereits einen Verletzten gibt: Er liegt am Boden und blutet, der Täter hat ihm mit einem Teppichmesser das halbe Ohr abgetrennt. Mittlerweile haben Passanten die Polizei und einen Rettungswagen verständigt. Sowohl die Frau als auch ihr verletzter Freund werden in der Klinik versorgt.

»Ich habe großen Respekt vor diesem mutigen Einschreiten und danke Ihnen sehr«, sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, als sie Johannes Busch jetzt im Namen des Ministerpräsidenten die Hessische Rettungsmedaille verlieh. Dies sei die viel beschworene Zivilcourage, die für unsere Gesellschaft und das friedliche Miteinander der Menschen so wichtig sei. »Sie sind ein großes Vorbild«, versicherte sie. Auch Polizeipräsident Bernd Paul dankte dem 32-Jährigen. »Es war eine wirklich heikle, gefährliche Situation. Vielleicht haben Sie der Frau das Leben gerettet.« Zweifellos habe Busch sich selbst in Gefahr gebracht, ein Helfender bewege sich auf schmalem Grat. »Aber es ist wichtig, dass man sich bemerkbar macht und nicht wegschaut«, bekräftigte er.

Johannes Busch wird diesen Abend im Dezember 2017 so schnell nicht vergessen. Er habe intuitiv gehandelt, beschrieb er bei der Feierstunde. Er habe keine Zeit gehabt, Gefahren abzuwägen. In einer solchen Situation funktioniere und handele man. »Richtig schockiert war ich erst, als alles vorbei war und mir klar wurde, was alles hätte passieren können.« Gewundert habe er sich darüber, dass sich Passanten und Anwohner erst spät eingeschaltet hätten. »Die meisten blieben stumme Beobachter.«

Zur Feierstunde war der 32-Jährige von einer Delegation Gemeindemitglieder begleitet worden. Bis vor Kurzem ist Busch als Kaplan in der katholischen Gemeinde St. Albertus und der Heuchelheimer Gemeinde Maria Frieden tätig gewesen; er war dort sehr beliebt. Im Sommer 2018 verabschiedete er sich, um für drei Jahre nach Kalifornien zu gehen. In San Francisco ist er derzeit in einer Gemeinde tätig, die hauptsächlich aus Lateinamerikanern besteht. Diesen bedrängten und armen Menschen zu helfen, sieht er als wichtige Aufgabe an. Seine »Schäfchen« in Gießen und Heuchelheim haben ihn damals nicht gerne ziehen lassen. Sie schätzten ihn als Seelsorger und lieben seine fröhliche Art. »Er hat fast immer ein Lächeln im Gesicht – er ist einfach ein Guter«, brachte eine Begleiterin es auf den Punkt. Dass »ihr« Kaplan auch in einem Notfall spontan zur Stelle ist und Hilfe anbietet, hat sie nicht verwundert. »So ist er«, bestätigten die Freunde einmütig.

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