13. November 2019, 06:00 Uhr

Radlervorfahrt

Kein Aufstand gegen Fahrradstraßen

Die Stadt kann ihre Pläne für die ersten Fahrradstraßen weiter vorantreiben. Bei einer Bürgerversammlung wurde das Vorhaben im Grundsatz begrüßt.
13. November 2019, 06:00 Uhr

Wo sich vergangene Woche kaum 50 Zuhörer bei der Bürgerversammlung zum Thema Wohnen in Gießen verloren, war am Montagabend fast kein Platz mehr frei. Rund 150 Anwohner aus dem Quartier um die Goethestraße und weitere Interessierte waren in den Konzertsaal des Rathauses gekommen, um von der Stadt zu hören, was sich durch die Ausweisung der drei ersten Fahrradstraßen im Frühjahr ändert. Nach knapp zwei Stunden konnte Bürgermeister und Verkehrsdezernent Peter Neidel (CDU) zufrieden registrieren, dass seine Pläne nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden. »Wir machen doch keine Maßnahmen gegen die Bevölkerung«, sagte der Verkehrsdezernent.

Anwohnerparkzone bis Gnauthstraße

Dass sich die Kritik in Grenzen hielt, dürfte auch mit den Entscheidungen zu tun haben, dass sich in der Löberstraße und der Lonystraße fast nichts ändern wird und die drei Fahrradstraßen »light« weiterhin mit dem Pkw befahren werden können. Auch die Zahl der wegfallenden Parkplätze im Abschnitt der Goethestraße zwischen Lony- und Gnauthstraße hält sich mit 30 in Grenzen. Zudem soll die bestehende Anwohnerparkzone, die von der Südanlage bis zur Ludwigstraße reicht, bis zur Gnauthstraße ausgedehnt werden.

Bevor die Straßenverkehrsbehörde dies bekanntgab, hatten mehrere Anwohner über den Parkdruck in dem Gebiet geklagt und eine weitere Verschlechterung durch die Einrichtung der drei Fahrradstraßen vorhergesagt. »Ich kann mein Auto ja nicht zusammenfalten, unter den Arm und mit in die Wohnung nehmen«, sagte eine Anwohnerin.

Nun zu den Veränderungen, die sich in dem Gebiet durch die Einrichtung der drei Fahrradstraßen ergeben werden.

Betroffene Straßen: Umgewidmet wird die Goethestraße im Abschnitt zwischen Südanlage und Gnauthstraße. Bei Löber- und Lonystraße ist jeweils der Abschnitt zwischen Bleichstraße und Bismarckstraße betroffen.

Neue Verkehrsregeln: In allen drei Fahrradstraßen dürfen weiter Autos fahren, Vorrang hat aber der Radverkehr. Radfahrer dürfen nebeneinander fahren, Autos müssen in diesem Fall dahinter bleiben. Es gilt Tempo 30, die bestehende 30er-Zone wird aufgelöst. Signalisiert werden die Fahrradstraßen durch Schilder und Fahrbahnmarkierungen.

Einbahnstraßen: In der Goethestraße wird im Abschnitt zwischen Stephan- und Henselstraße eine Einbahnstraße in Fahrtrichtung Süden eingerichtet. Die hintere Goethestraße bleibt bis zur Gnauthstraße in beide Fahrtrichtungen befahrbar. Die Einbahnstraßen in der Lony- und Löberstraße werden für den Radverkehr freigegeben.

Parken: In den Fahrradstraßen darf aus Sicherheitsgründen nur noch auf einer Straßenseite geparkt werden. Im Abschnitt der Goethestraße zwischen der Lonystraße und der Gnauthstraße fallen rund 30 Parkplätze weg, unter anderem die bislang in Schrägaufstellung angeordneten. Die Schrägaufstellung der Parkplätze in der Lonystraße bleibt vorerst, könnte aber im Zuge der Umsetzung des Projekts »Grüner Anlagenring« irgendwann einer Längsaufstellung weichen.

Anwohnerparken: Die Anwohnerparkzone III wird von der Ludwigstraße bis zur Gnauthstraße erweitert. 30 bis 40 Prozent der dortigen Parkplätze werden reserviert für Inhaber eines Anwohnerparkausweises (30 Euro pro Jahr), alle anderen Parkplätze werden gebührenpflichtig. Mit einem Ausweis für das erweiterte Anwohnerparken (100 Euro pro Jahr) können Anwohner auch auf den gebührenplichtigen Plätzen parken.

Übergang Ludwigstraße: Die Ampel an der Querung der Ludwigstraße am Unihauptgebäude wird künftig mit Detektoren gesteuert, die bei Annäherung von Radlern Grün auslösen. Poller sollen verhindern, dass Autos im Bereich des Überwegs in die Goethestraße einfahren.

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