04. September 2018, 21:58 Uhr

Kein Baumopfer für betreutes Wohnen

04. September 2018, 21:58 Uhr
Grüne Lunge hinter Südanlage. (Foto: mö)

Nach monatelanger Trockenheit wird man in Gießen kaum ein Fleckchen finden, das noch so grün ist wie das Gelände hinter der Adresse Südanlage 13 und neben dem Versorgungsamt. Hohe Bäume beschatten das parkähnliche Grundstück, mittendrin stehen Bänke und Stühle. An diesem Idyll wird sich auch nichts ändern, denn die Stadt lehnt die Pläne des Vereins Wohnen mit Freunden ab, dort zwei viergeschossige Mehrfamilienhäuser mit 24 Wohnungen für betreutes Wohnen zu errichten. »Der Magistrat hat Sympathie für dieses Vorhaben, aber in dieser Dimension geht das an dieser Stelle nicht«, sagte Planungsdezernent Peter Neidel (CDU) am Dienstag in der Pressekonferenz des Magistrats.

Die Stadtregierung hatte tags zuvor beschlossen, einen Bebauungsplan »Südanlage/Goethestraße« für den nächsten Wohnblock hinter der Südanlage aufzulegen. In der vorletzten Parlamentsrunde war bereits ein ähnlicher Plan für einen Block Richtung Bismarckstraße beschlossen worden, weil dort ebenfalls ein Grünzug bebaut werden sollte, was die Stadt ablehnte. In diesem Fall flankierte Neidel die Planung sogar mit einer sogenannten Veränderungssperre, damit im Rahmen eines einfachen Baugenehmigungsverfahrens keine baulichen Fakten geschaffen werden können. Dies sei jetzt nicht nötig. »Ich gehe davon aus, dass die Bauvoranfrage, die uns vorliegt, zurückgezogen wird«, erklärte der künftige Bürgermeister.

Das Grundstück gehört der evangelischen Kirche, in der Südanlage 13 sind das Stadtjugendpfarramt und die Behindertenseelsorge untergebracht, die den Verein Wohnen unter Freunden unterstützt. »Das ist sicherlich ein gutes Konzept, aber es muss städtebaulich darstellbar sein«, bat Neidel um Verständnis für die Haltung der Stadt. In zweiter Reihe sei eine Bebauung sowohl von der Südanlage als auch von der Lonystraße aus denkbar, aber nicht in dieser Tiefe. »Durch die Neubebauung mit ihren notwendigen Stellplätzen würde der im Blockinnenbereich verbliebene wertvolle Baum- und Grünbestand vollständig beseitigt werden«, heißt es in der Magistratsvorlage.

Auch OB Dietlind Grabe-Bolz (SPD) bedauert, dass das Projekt an diesem Standort abgelehnt werden muss. »Für solche besonderen Wohnformen haben wir ja extra Flächen auf dem Motorpool-Gelände reserviert«, sagte die Rathauschefin.

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