01. Oktober 2019, 21:56 Uhr

Kein Zweifel an Vergewaltigung

01. Oktober 2019, 21:56 Uhr

»Geben Sie mir eine letzte Chance«, sagte der Angeklagte und wünschte sich »Bewährungshaft«. »Ich bau mir ein neues Leben auf, Sie hören nie wieder von mir.« Die Worte des 19-jährigen Eritreers hatten aber nicht den gewünschten Effekt. Maddalena Fouladfar, Vorsitzende Richterin am Jugendschöffengericht, ließ sich nicht erweichen: Drei Jahre und sechs Monate Haft für den jungen Flüchtling, der nach Überzeugung der Kammer am frühen Morgen des 4. März (Rosenmontag) dieses Jahres folgende Straftatbestände verwirklicht hat: Vergewaltigung, versuchte Vergewaltigung sowie versuchte Nötigung, alles in Tateinheit mit (versuchter) Körperverletzung, begangen an einer 21-jährigen Studentin. In das Urteil floss ein weiteres Vergehen vom 9. Dezember letzten Jahres ein: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Die Kammer hatte nicht im Ansatz Zweifel an der Einlassung der geschädigten Frau, die ihren Angaben zufolge nach dem Besuch eines Lokals in der Gießener Innenstadt die Orientierung verloren hatte. Die Studentin war zur Tatzeit erst ein halbes Jahr in Gießen, verfügte nur über geringe Ortskenntnisse und ist darüberhinaus stark sehbehindert. Mithilfe ihres Handys wollte sie ihre Wohnung in der Gießener Bahnhofstraße aufsuchen, schlug aber, wohl auch wegen des vorangegangenen Alkoholkonsums, die falsche Richtung ein. Das machte sich nach Überzeugung des Gerichts der Eritreer zunutze und bemächtige sich des Handys, ohne das die junge Frau noch hilfloser geworden war. Er wollte ihr das Mobiltelefon erst wieder zurückgeben, wenn sie seinen Wünschen auf sexuelle Kontakte nachkomme.

Nach Jugendstrafrecht verurteilt

In ihrer Hilflosigkeit ging sie auf diesen Deal ein, allerdings hielt sich der Mann nicht an seiner Zusage und behielt das Handy, um weiteren Forderungen nach sexuellen Handlungen Nachdruck zu verleihen. Glücklicherweise wurde später ein Mann auf die Notsituation der 21-Jährigen aufmerksam und kam ihr zur Hilfe. Das Ganze spielte sich an der Gießener Ringallee unweit des Schwanenteichs ab. Eine später hinzugekommene Frau brachte die Geschädigte dann in Sicherheit. Der Angeklagte wurde wenige Tage später in einer Gaststätte am Wiesecker Weg festgenommen. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft.

In der Verhandlung am Dienstag äußerte sich der Eritreer erstmals zur Sache. In beiden Fällen sei er alkoholisiert gewesen. Während er keine Erinnerung an die Ereignisse am 9. Dezember 2018 hatte, schilderte er detailliert das Geschehen am 4. März. Kern seiner Aussage: Der Wunsch nach sexuellen Handlungen sei von der jungen Frau ausgegangen, und sie habe sogar mit ihm in seine Wohnung am Wiesecker Weg gehen wollen. Dieses stempelte Staatsanwalt Christian Bause als »kompletten Blödsinn« ab. Überführt wurde der junge Eritreer, der trotz Dolmetscherin seine Aussage in einem leidlich guten Deutsch machte, unter anderem durch einen DNA-Abgleich, aber auch durch die Verletzung der Frau. »Am Vorwurf der Vergewaltigung bestand überhaupt kein Zweifel«, hatte zuvor Staatsanwalt Christian Bause festgestellt, der dann sogar vier Jahre Haft für den Angeklagten forderte.

Verurteilt wurde der Eritreer nach dem Jugendstrafrecht. Damit folgte das Gericht der Jugendgerichtshilfe, die bei dem Angeklagten kein Unrechts- oder Schuldbewusstsein erkannt hatte, nicht einmal Betroffenheit.

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