04. Juni 2019, 22:18 Uhr

Keine Chance auf Bewährung

04. Juni 2019, 22:18 Uhr
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Von Harold Sekatsch

Ein Jahr und neun Monate Haft: So lautete am Dienstag am Amtsgericht das Urteil gegen einen 32-jährigen Algerier, der sich mit etlichen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz strafbar gemacht hatte. Die Schuld festzustellen, fiel dem Gericht unter Vorsitz von Richterin Sonja Robe nicht sonderlich schwer. Einerseits gab es eine weitgehend geständige Einlassung des Angeklagten, andererseits hatten die Ermittlungsbehörden in Gießen und Frankfurt blitzsaubere Arbeit geleistet.

Dass der Angeklagte ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein besitzt, zumindest gegenüber dem Land, das ihm zumindest seit 2017 ein Gastrecht einräumt, konnte das Gericht in der Verhandlung nicht im Ansatz erkennen. In Gießen wurde der Algerier mehrfach kontrolliert, und jedes Mal führte er geringe Mengen an Betäubungsmitteln mit sich, in der Regel Marihuana.

Die Masche, die er dem Gericht offenbarte, die aber auch die Ermittlungsbeamten herausfanden, war relativ einfach. Der Algerier fädelte den Deal mit kleinen BTM-Mengen ein und behielt dann rund zehn Prozent der Drogen bzw. des Marihuanas zum Eigenverbrauch für sich. Zwischen dem 11. April und dem 1. September 2018 wurde er in Gießen siebenmal kontrolliert, und jedes Mal wurden die Beamten fündig. Besonders ertragreich war ein Fund auf dem Dach eines Gebäudes am Bahnhof, das er sich als Lagerplatz auserkoren hatte. Hier entdeckten die Beamten einen Block von rund 37 Gramm Haschisch. Zwei weitere junge Männer, die es sich in einem durch Alkohol geförderten Übermut ebenfalls auf dem Dach gemütlich gemacht hatten, hatten mit dem Fall nichts zu tun; sie traten lediglich als Zeugen auf.

Siebenmal in Gießen erwischt

Auch in Frankfurt trat der Angeklagte in Erscheinung. So hatte er an der Konstabler Woche den Dealern die Kunden zugespielt und mit seinen Kollegen versucht, die Rauschgiftgeschäfte zu verschleiern. Der eine nimmt das Geld, ein anderer gibt das Rauschgift, und ein Dritter verschwindet so schnell wie möglich mit der Einnahme. Doch die Frankfurter Ermittler hatten alles im Griff und überführten die Täter.

Staatsanwalt Moritz-Leo Musinowski hatte im Plädoyer jedenfalls alle Trümpfe in der Hand und spielte diese gekonnt aus. Richterin Robe lehnte sich in ihrem Urteil weitgehend an die Ausführungen des Staatsanwaltes an. Dagegen hatte der Verteidiger, Rechtsanwalt Persch, einen schweren Stand. Er hatte ein Jahr und zwei Monate Haft gefordert, auf Bewährung, doch für eine Bewährungsstrafe sah die Richterin keinen Anhaltspunkt.

Verwirrung stiftete der schriftlich vorliegende Auszug aus dem Bundeszentralregister, in dem auf Straftaten des Algeriers in den Jahren 2015 und 2016 hingewiesen wurde. Der Mann schwor Stein und Bein, in dieser Zeit gar nicht in Deutschland gewesen zu sein. Richterin Robe beruhigte die Gemüter mit der Feststellung, dass diese Eintragung keinen Einfluss auf das Urteil haben werde. Der Haftbefehl bleibt natürlich bestehen.



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