03. September 2019, 21:26 Uhr

Keine Frau nur für einen Fall

03. September 2019, 21:26 Uhr
Lucia Kramer freut sich auf die vielfältigen Herausforderungen als Dramaturgin am Stadttheater. (Foto: Schepp)

Dass am Stadttheater traditionell der Bereich Kinder- und Jugendtheater alles andere als stiefmütterlich behandelt wird, freut nicht nur das Gießener Publikum, sondern auch Lucia Kramer. Die 30-Jährige ist mit der nun beginnenden Spielzeit die Neue im Dramaturgenteam und dort nicht nur für Stücke für junge Zuschauer, sondern auch für einige Angebote im Abendspielplan zuständig. »Ich bin für die Vielfalt und darum auch froh über die Bandbreite des Stadttheaters«, sagt die im schwäbischen Kirchheim geborene und in Esslingen aufgewachsene Theaterfrau.

Dass sie einmal in einem Theater arbeiten werde, sei ihr schon früh klar gewesen, erzählt sie. Schon als Teenager leitete sie eine kleine Theatergruppe, übernahm Rollen im Schülertheater und an der Esslinger Landesbühne. Ein Freiwilliges Soziales Jahr am Theater Augsburg festigte schließlich ihren Entschluss, Theaterwissenschaften und Dramaturgie an der Uni München und der bayerischen Theaterakademie August Everding zu studieren. Ein Stipendium gab im sündhaft teuren München finanzielle Rückendeckung, die Überreichung des nach dem charismatischen Dramaturgen Klaus Zehelein benannten Preises an sie im Jahr 2015 sorgte für weiteren ideellen Auftrieb. »So ein Preis wertet auch das Berufsbild auf. Dramaturgenpreise werden sonst doch eher selten vergeben«, freut sich Lucia Kramer.

Von Skart bis Moby Dick

Regieassistenzen am Münchner Residenztheater, eine Hospitanz in einem Theaterstückeverlag und zwei Monate im Goethe-Institut im türkischen Ankara sind weitere Stationen auf ihrem Berufsweg, der sie auch als Dramaturgin ans Junge Ensemble Stuttgart führte. »Ein sehr gutes Haus, gut ausgestattet, mit einer großen Bandbreite. Ich konnte sehr viel machen: Tanztheater, Rechercheprojekte, Performances, Romanadaptionen, viele Stückentwicklungen.« Und dennoch führt sie nun der Weg nach Gießen. »Nach fast vier Jahren am JES war es einfach Zeit, weiterzuziehen«, sagt sie. Und ergänzt mit einem Schmunzeln im Gesicht. »Ich bin doch noch jung.« Sie habe es gereizt, an einem Haus im größeren Rahmen, also nicht ausschließlich im Kinder- und Jugendtheaterbereich, zu arbeiten. Und genau das wird sie in Gießen tun. Als Dramaturgin begleitet sie die Produktion »Happiness is a warm gun« des ATWler-Duos Skart (Schröppel Karau Art Repetition Technologies, Premiere ist am 12. September) und die Komödie »Der Vorname« in der Inszenierung von Intendantin Cathérine Miville. Sie wird in die Endproben zum Familienstück »An der Arche um acht« eingebunden sein und bei »Moby Dick«, einem Stück nach »Moby Dick«-Motiven von Andreas Mihan für Kinder ab zehn Jahre. Und auch »Snake Driver«, eine Mischung aus Musik und Comic für Jugendliche, steht auf ihrer Agenda.

Trotz ihrer eher klassischen Ausbildung ist Lucia Kramer auch besonders der Freien Szene und den Festivals zugetan. Sie hat beim »Rodeo«-Festival mitgearbeitet und an einer Begleitpublikation über Künstler aus der Freien Szene im München der 70er Jahre mitgewirkt. Auch »UWE« - die Abkürzung steht für den ironischen Titel »Und wieder ein Festival« - für Künstler, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, hat sie mitgegründet und das viertägige Festival mit zwölf Produktionen, darunter auch vier internationalen, auf die Beine gestellt. »Ich mag Festivals«, schwärmt sie. »Das ist so eine intensive Zeit.« Und auch Stückentwicklungen liegen ihr. »So etwas macht es möglich, als Team enger zusammenzuarbeiten. Es ist immer wieder eine Herausforderung, für eine Geschichte einen neuen Rahmen zu finden.« Am Stadttheater Gießen hat sie dafür mit der nun beginnenden Spielzeit die besten Voraussetzungen.

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