25. Oktober 2019, 06:00 Uhr

Wiederholungstäter

Kinderpornografie: Letzte Chance für 54-Jährigen

Das Amtsgericht hat einen 54-jährigen Frührentner aus Gießen wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Bilder zu 17 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
25. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Das Amtsgericht hat einen Frührentner zu 17 Monaten Bewährungsstrafe wegen Besitz von Kinderpornografie verurteilt. (Schepp)

»Wenn jetzt noch einmal etwas passiert, werden Sie für drei Jahre eingesperrt«, richtete Jürgen Seichter mahnende Worte an den Anklagten, »und das ist nicht lustig.« Zuvor hatte der Richter am Gießener Amtsgericht einen 54-Jährigen wegen Besitzes jugend- und kinderpornografischer Schriften bzw. Bilder zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung verurteilt. In der Strafhöhe liegt das Urteil in der ungefähren Mitte zwischen den Forderungen von Staatsanwältin Gesine Ritsch (20 Monate) und dem Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Hauer (15 Monate).

Therapie als weitere Auflage

Die Bewährungszeit legte das Schöffengericht auf vier Jahr fest, ordnete außerdem an, dass dem Gießener ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt wird. Eine weitere Auflage: die Teilnahme an einer entsprechenden Therapie, die ohne Zustimmung des Therapeuten nicht abgebrochen werden darf. Der ledige Frührentner war bereits im Februar 2017 wegen der gleichen Delikte zu einer Freiheitstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden, wurde aber ein halbes Jahr nach der Verurteilung wieder einschlägig straffällig. Für den Angeklagten spricht, darin waren sich Gericht sowie Anklage und Verteidigung einig, seine »geständige Einlassung« und sein ernsthaftes Bemühen um eine Therapie. Und das war in der Vergangenheit nicht immer einfach.

Die Bilder hatte sich der Angeklagte eigenen Aussagen zufolge »zu 90 Prozent« über gängige soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, aber auch über ein mehrsprachiges Netzwerk aus Russland heruntergeladen. Insgesamt wurden nach 555 kinder- und jugendpornografischen Bildern weitere 136 Dateien auf einer Speicherkarte sowie 98 auf einem Tablet gefunden. Die Menge bezeichnete Richter Seichter als »Mittelmaß«. Inzwischen wurden die Mobilfunkgeräte und das Tablet des Angeklagten eingezogen. Er verzichtete darauf, diese Geräte zurückhaben zu wollen. Inzwischen hat er sich aber wieder ein Handy zugelegt und auch einen Facebook-Account. »Damit mache ich aber nichts Verbotenes mehr«, versprach er.

Auf Rückfrage der Staatsanwältin, wie man an die Bilder im Netz komme, berichtete der Angeklagte, dass er einschlägige Dateien gesucht habe und auf bestimmte Gruppen gestoßen sei. So habe er auch Bilder hochgeladen.

Nach dem Urteil hatte Richter Seichter noch einen guten Rat für den Gießener: »Löschen Sie den Account des sozialen Netzwerkes aus Russland. Und noch einmal: Wenn Sie noch einmal straffällig werden, kann die Bewährung widerrufen werden.« Am Ende teilten sowohl Anklage auch Verteidigung mit, dass sie keine Berufung gegen das Urteil einzulegen beabsichtigen.

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