07. Dezember 2013, 12:58 Uhr

Kirchenpräsident Jung mahnt mehr Hilfe für Flüchtlinge an

Gießen (si). Kirchenpräsident Volker Jung hat zu mehr Hilfen für Flüchtlinge aufgerufen. Die Menschen, von denen derzeit viele aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach Europa kommen, seien in »extremen Notsituationen«. Hier sei die Kirche gefordert, aber auch die Politik.
07. Dezember 2013, 12:58 Uhr
Kirchenpräsident Volker Jung sprach in der HEAE auch mit Asylrechtsberaterin Maria Bethke . (Foto: Schepp)

Sie solle sich zum Beispiel an den Beratung der Flüchtlinge finanziell beteiligen, für die derzeit allein die Kirche aufkomme, sagte Jung am Freitag bei einem Besuch in der Erstaufnahme-Einrichtung im Meisenbornweg (HEAE), wo derzeit 400 Flüchtlinge untergebracht sind. Die Außenstellen in der Rödgener Straße, in Reinhardshain und Bad Arolsen eingerechnet, sind es momentan rund 1000 (die GAZ berichtete).

Bei einem einstündigen Rundgang hatte Jung mit Regierungspräsident Lars Witteck und Mitarbeitern von RP und Kirche den Komplex besichtigt, der hessenweit die erste Stelle für Flüchtlinge ist. Zurzeit bleiben sie hier im Durchschnitt etwa drei bis sechs Wochen, bevor ihnen eine andere kommunale Unterkunft zugewiesen wird.

»Dramatische Erlebnisse hinter sich«

Die HEAE-Bewohner hätten »dramatische Erlebnisse« hinter sich, sagte Maria Bethke, die im Meisenbornweg als Asylrechtsberaterin tätig ist. Viele seien aus Somalia, Eritrea oder Äthiopien über das Meer geflüchtet und dann aus Italien nach Deutschland gekommen. Für die Aufnahme hier seien sie »ausgesprochen dankbar«.

Nach Bethkes Angaben gibt es in Italien Erstaufnahmestellen, aber keine Anschlussunterkünfte, sodass Flüchtlinge dort oft auf der Straße leben. Viele fürchteten deshalb von Deutschland aus nach Italien abgeschoben zu werden. Rechtlich sei das grundsätzlich möglich. Allerdings würden die Verwaltungsgerichte – auch das in Gießen – dem häufig einen Riegel vorschieben. Umso wichtiger sei die Rechtsberatung für Flüchtlinge.

Laut Bethke können in Gießen derzeit nur zehn Prozent der Ankommenden beraten werden – sie allein ist hier auf halber Stelle dafür zuständig. Kirchenpräsident Jung ließ durchblicken, dass die Kirche die Stelle möglicherweise aufstocken werde. Für die Arbeit mit Flüchtlingen hatte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau Ende November eine Million Euro bereitgestellt. Laut Jung, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, sollen aus dem Topf 500 000 Euro in die Verfahrungsberatung sowie in die Gemeindearbeit vor Ort fließen – und der gleich hohe Rest in Flüchtlingsprojekte in den Heimatländern, etwa in Syrien.

Viele Kirchengemeinden der EKHN seien in der Flüchtlingshilfe sehr engagiert, sagte Jung, der dafür dankte. Er räumte allerdings ein, dass es bei einzelnen Mitgliedern auch andere Reaktionen »bis hin zu übelsten rassistischen Beschimpfungen« gebe. Das könne und werde die Kirche nicht akzeptieren.

Erstaufnahmeeinrichtung ist »bekannt in der Welt« Migration »das Normalste der Welt«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Evangelische Kirche
  • Evangelische Kirche in Deutschland
  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
  • Migration
  • Naher Osten
  • Volker Jung
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.