07. Januar 2013, 19:33 Uhr

Klamme 46ers: CDU pocht auf Offenheit und Professionalität

Gießen (ta). Mit massiver Kritik an der Geschäftsführung der 46ers hat sich CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Peter Möller in die aktuelle Diskussion um den vorläufigen Insolvenzantrag des Gießener Basketball-Bundesligisten eingeschaltet.
07. Januar 2013, 19:33 Uhr
In der Dauerdebatte um die Finanznot der 46ers hat sich nun auch der Gießener CDU-Chef Klaus Peter Möller zu Wort gemeldet. (Foto: Geck)

»Die Kommunikationskultur der Geschäftsführung gegenüber allen Beteiligten ist ein Desaster, die Ernsthaftigkeit der Situation wurde offensichtlich bewusst verschleiert und der Schaden für den Gießener Sport und die Fans wurde in Kauf genommen – professionelles Arbeiten sieht anders aus«, schreibt er in einer Pressemitteilung. Zugleich deutet der Parteichef an, dass sich die Union nicht dem Ansinnen verschließen würde, die Reduzierung der Bürgschaft von 180 000 auf 120 000 Euro zu verschieben, »wenn dies der finanziellen Situation helfen würde«.

Ein solcher Antrag für die bevorstehende Sondersitzung des Haupt-und Finanzausschusses lag bis zum Abgabeschluss am Montagvormittag im Büro der Stadtverordnetenversammlung nicht vor, weder von der CDU noch von einer anderen Fraktion. Der Magistrat hat eine eigene Initiative bereits abgelehnt, weil die politische Verantwortung für die Übernahme einer Bürgschaft zugunsten der 46ers von Anfang an beim Stadtparlament lag. Das Thema könnte jetzt nur noch per Dringlichkeitsantrag in den Geschäftsgang der Stadtverordnetenversammlung kommen.

Die finanziellen Turbulenzen der Gispo-Sportmarketing, der Trägergesellschaft der 46ers, werden gleichwohl zur Sprache kommen: Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz will zum Thema »Bürgschaft« berichten. Die CDU erwartet, dass dabei erläutert wird, ob die Stadt schon jetzt mit der bis Ende 2012 gestellten Bürgschaftshöhe von 180 000 Euro haftet oder ob die aktuell reduzierte Bürgschaftssumme ausschlaggebend ist. »Wenn der Zeitpunkt des Einleitens des Insolvenzantrages entscheidend für die Höhe der Haftung der Stadt ist, verlöre die Stadt kein weiteres Geld, wenn die Bürgschaftshöhe bis Saisonende bestehen bliebe.« Wenn kein weiterer Schaden für die Stadt entstünde bei der Verschiebung der Kürzung bis zum Saisonende, ließe sich dies politisch ermöglichen, betont der Gießener CDU-Chef.

Die Berichterstattung der Lokalpresse lasse allerdings immer mehr Zweifel an den Aussagen des Geschäftsführers der 46ers gegenüber dem Hauptausschuss vor einigen Wochen aufkommen. Wenn es der Geschäftsführung schon vor Monaten klar gewesen sein sollte, dass auch die Bürgschaft die Situation nicht mehr verbessern könnte, sei es nicht zu akzeptieren, dass damals die Ernsthaftigkeit der Lage verschwiegen wurde. Schließlich hätten die Stadtverordneten den Geschäftsführer der 46ers turnusmäßig zur Berichterstattung eingeladen, »um genau das zu verhindern, was sich nun abzeichnet«.

Klaus Peter Möller, der nach seinen Angaben seit Jahrzehnten immer wieder gern Heimspiele der 46ers besucht hat, wirft dem Geschäftsführer außerdem vor, sich nicht mit dem nötigen Herzblut für den Fortbestand der Mannschaft einzusetzen. Offenbar sei ihm nicht bewusst, »dass ein Unternehmen wie die 46ers seit Jahren auf die Unterstützung und das Wohlwollen vieler einzelner, der Fans, der Sponsoren und der Stadt angewiesen ist«.

Gesamtes Vertrauen verspielt

Und weiter: »Wer binnen weniger Wochen das gesamte Vertrauen und die Unterstützung zu verspielen bereit ist, die sich der Gießener Basketball in Jahrzehnten mühsam aufgebaut hat, dem scheint der Basketball als Teil unserer Stadt nicht das zu bedeuten, was er bislang war.« Möllers Urteil: »So kann nur agiert werden, wenn man keine emotionale Bindung zur Stadt hat.«

Zurzeit habe die Union deshalb den Eindruck, dass »einige entscheidende Faktoren, Menschen und Entscheidungsträger schlichtweg nicht ernst genommen werden«. Auch die Mannschaft nimmt der CDU-Politiker mit in die Verantwortung: Mitentscheidend für die finanzielle Weiterentwicklung sei auch die sportliche Leistung der 46ers. »Ein Trauerspiel wie am Samstag ist in keiner Weise hilfreich.«



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