12. August 2018, 21:26 Uhr

Kleine Frau – was nun?

Das passt zum Jubiläumsjahr: Ende Erster Weltkrieg und Revolution, Demokratie und Frauenwahlrecht Auf der Schiffenberg-Bühne wurde »Kleine Frau – was nun? Der Weg in die Weimarer Republik« von Walter Menzlaw aufgeführt. Das Theaterstück hatte erst im Juni auf dem Hambacher Schloss Uraufführung,
12. August 2018, 21:26 Uhr

Das war ein ganz besonderer Abend: Freilufttheater auf dem Schiffenberg, auf der Bühne des Musikalischen Sommers der Stadt Gießen. Es ist schon 15 Jahre her, dass dies möglich war, auch damals hat Ellen Schaaf, organisatorischer Kopf der Initiative Kultur 2000, dafür gesorgt; damals war das Stück »Die Brüder Grimm« zu sehen. Die aktuelle Veranstaltung am Freitagabend mit dem Titel »Kleine Frau – was nun? Der Weg in die Weimarer Republik« fand wieder in Kooperation mit dem Kultursommer Mittelhessen statt, dessen Geschäftsführer Frank Dauer immer Ausschau nach interessanten Gruppen hält. Das Chawwerusch-Theater aus der Südpfalz hat ihn überzeugt. Die professionelle Gruppe mit eigener Spielstätte macht seit 1984 Geschichte und Geschichten erlebbar mit selbst entwickelten Stücken.

1918 endete der schreckliche Krieg, der Kaiser dankte ab und ging ins Exil, die Revolution erschütterte Deutschland, eine neue Regierung wurde gewählt und das Abenteuer Demokratie begann. Erzählt wird aus der Sicht von Luise, die es aus der französisch besetzten Pfalz in die Großstadt Berlin verschlägt. Sie kommt bei ihrer auf mondän machenden Tante Berta (Felix S. Felix) unter, die sich freut, mit Luise pfälzisch sprechen zu können, ansonsten ihre Schwarzgeschäfte und einen Nachtclub betreibt.

An ihrer ersten Arbeitsstelle in der Fabrik lernt Luise (Miriam Grimm) einiges über die Parteien, deren unterschiedlichen Ziele und Standpunkte, vor allem aber über die Forderungen von Arbeitern und Gewerkschaften. Sie begegnet dem Freidenker Willi (Stephan Wriecz) und Paula (Monika Kleebauer), die die Zeitschrift »Die Gleichheit« von Marie Juchacz verkauft. Diese lädt Luise ein, in der Volksküche für Arme mitzuhelfen. Es folgt der Aufruf an alle Frauen, ihr neues Recht zu nutzen, nämlich zur Wahl zu gehen – gegen alle männlichen Vorbehalte.

Auch im Persönlichen denkt Luise um. Sie war schon von ihrem Vater bevormundet worden, der nach seiner Heimkehr aus dem Krieg einfach ihre Stelle gekündigt hatte, »damit alles wieder so wird wie es war«. Dasselbe Verhalten – nur noch aggressiver – erlebt sie bei ihrem Verlobten (Thomas Kölsch) aus der Vorkriegszeit. Als sie merkt, dass er zu den Freikorpssoldaten gehört, die Aufständische brutal niederschießen, wendet sie sich ab. Sie lässt sich nichts mehr gefallen und hält an ihrer neuen Freiheit fest.

Das waren zwei Stunden prall gefüllt mit deutscher Geschichte, auf nachvollziehbare Weise berichtet in Dialogen und durch einen Erzähler (Ben Hergl). Die Bühnenelemente werden ständig umarrangiert, wodurch abwechslungsreiche Bilder entstehen. Auch die Kostüme werden immer wieder variiert, denn bis auf Luise müssen alle in mehrere Rollen schlüpfen. Berührend ist der mehrstimmige Gesang der sechsköpfigen Gruppe, die von alten Volksweisen über Revolutionslieder bis zum Revue-Charme der Weimarer Republik reicht. Begleitet werden sie von ihrem Mann am E-Piano (Dmitrij Koscheew). (Foto: dkl)

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