23. Dezember 2018, 09:00 Uhr

Kleintierklinik

Kleintierklinik: Noch teurer, noch später

Nach einer Pannenserie soll die Kleintier- und Vogelklinik der Universität nun kurz vor der Eröffnung stehen. Die Kosten werden jetzt auf 86 Millionen Euro geschätzt, 66 Millionen waren geplant.
23. Dezember 2018, 09:00 Uhr
Noch ist kein genauer Termin zur Eröffnung der Vogelklinik bekannt. (Foto: Schepp)

Verzinkte Käfige statt solche aus Edelstahl, Rohrnetze, die zu klein für die inzwischen gestiegenen Anforderungen sind und ersetzt werden müssen, Pleiten bei Planern. Lang ist die Liste der Pannen, die den Bau der Kleintier- und Vogelklinik der Justus-Liebig-Universität verzögert haben. Zuletzt kamen Keime in den Wasserleitungen hinzu. Derzeit geht der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) von einer Eröffnung im Februar 2019 aus, fünf Jahre später als ursprünglich geplant. Die Kosten schätzt die Behörde jetzt auf 86 Millionen Euro – 20 mehr als einst vorgesehen.

Die Arbeiten für die Klinik in der Frankfurter Straße 114 begannen Mitte 2011 mit hohen Erwartungen: Allerlei Tiere von der Katze bis zum Papagei sollen in dem weltweit vorbildlichen Spezialgebäude nach modernsten Methoden behandelt werden. Beim Richtfest im Oktober 2012 freuten sich die Redner über »fantastische« Fortschritte und die Einhaltung des 66-Millionen-Euro-Budgets. Doch da stand erst der Rohbau.

 

Jüngstes Problem: Keime im Wasser

Die Prüfsteine bei einem solch komplexen Spezialbau, wie er weltweit nur selten errichtet wird, sind Innenausbau und Technik. In den Folgejahren ging vieles schief auf der Großbaustelle nahe den Gleisen. Ein Hauptproblem: Das Planungsbüro für den Bereich Heizung, Klima, Lüftung und Sanitär arbeitete so schlecht, dass ihm 2013 gekündigt wurde.

Fatal: Auch das nach schwieriger Suche beauftragte zweite Planungsbüro erwies sich als ungeeignet. Ein weiterer Wechsel 2015 kostete erneut Geld und Zeit. Der abgestimmte Personaleinsatz der Unternehmen geriet durcheinander. Auf EU-Ebene wurden zudem neue Haltungsbedingungen für verschiedene Tierarten vorgeschrieben. Im Februar 2017 bezifferte der Bauherr die Kosten auf 79 Millionen Euro und hoffte auf eine Eröffnung im Februar 2018.

Was seitdem passiert ist, fasst LBIH-Sprecher Alexander Hoffmann so zusammen: Zu den besonderen Herausforderungen gehöre »die Koordinierung der anspruchsvollen technischen Anforderungen an die unterschiedlichen tierwohlbedingten Klimaverhältnisse«. In den Wasserversorgungsanlagen wurden Keime entdeckt, die bei einem solchen Gebäude in der Regel nicht durch einfaches Spülen der Leitungen beseitigt werden könnten. Desinfektionsmaßnahmen wurden notwendig. »Weitere Gründe für die Verzögerung sind unter anderem ein insolvenzbedingter Wechsel im Planungsteam sowie die seit geraumer Zeit konjunkturbedingte, sehr hohe Auslastung der Baufirmen.«

 

Bezahlt aus Programm "Heureka"

Zugleich betont Hoffmann, mit ihrer Ausrichtung auf eine Vielzahl von Tierarten werde die Klinik »eine bundesweit herausragende Stellung einnehmen. Darüber hinaus wird sie auch als sehr moderne Forschungseinrichtung dienen.«

Bezahlt wird der Bau vom Landes-Hochschulinvestitionsprogramm Heureka. Allerdings erhält die Uni für die Mehrkosten kein zusätzliches Geld, sondern muss anderswo einsparen. Es werde kein größeres Projekt komplett gestrichen, sondern der Sanierungsstau könne noch langsamer abgebaut werden als gewünscht, heißt es. Ob Regressforderungen des Landes an die beiden gekündigten Planungsbüros Erfolg versprechen, scheint zweifelhaft.

Ist die Kleintierklinik ein Beispiel für Systemfehler bei öffentlichen Bauaufträgen? Jedenfalls berge es Probleme, dass eine Behörde verantwortlich für den Bau ist, den eine andere bezahlt, sagten Fachleute der GAZ. Außerdem: Anders als private Bauherren kann man als Steuergeldverwalter nicht einfach jemanden beauftragen, mit dem man gute Erfahrungen gemacht hat. Nach einer europaweiten Ausschreibung muss zwar nicht der billigste Anbieter ausgewählt werden – es zählen auch Qualität und Verlässlichkeit. Viel Spielraum hat ein staatlicher Auftraggeber aber nicht. Die Auswahl muss rechtlichen Überprüfungen standhalten.

Info

Verspätung trifft ganze Tiermedizin

Die fünfjährige Verzögerung bei der Fertigstellung hat Folgen für die ganze Tiermedizin. JLU-Sprecherin Lisa Dittrich skizziert einige davon: Die jetzige Kleintierklinik und die Poliklinik, eine der häufigsten Anlaufstellen für Patienten, sei »in einem bedauerlichen Zustand«. Die Vogelklinik musste bereits dem Neubau Fleischhygiene weichen und befindet sich derzeit in einem extrem beengten Interimsdomizil. Zudem warte der Fachbereich auf die Tiefgarage unter der neuen Klinik.

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