29. Juli 2019, 11:00 Uhr

Klimawandel

Klimawandel: Schlüssel liegt bei Privathaushalten

Der Gießener Wissenschaftler Elmar Schlich hat die Verteilung der CO2-Belastung in Deutschland analysiert. Das Ergebnis zeigt: Beim Klimawandel ist jeder Einzelne gefordert.
29. Juli 2019, 11:00 Uhr
90 Prozent des Autoverkehrs entfällt auf die privaten Haushalte. (Foto: dpa)

»Was kann ich als Einzelperson schon machen?«, hört man oft mit resignierendem oder entschuldigenden Unterton, wenn im kleinen privaten Kreis über das Thema Klimawandel diskutiert wird. Der Gießener Wissenschaftler Prof. Elmar Schlich hat diese Frage nun in einem Arbeitspapier »Zur Bedeutung der Privathaushalte für die CO2-Emission Deutschlands« beantwortet. Sein Fazit: Jeder Einzelne kann in seinem Privatbereich etwas zur Reduzierung des klimaschädlichen Kohlendioxids beitragen. Viele Kleinviecher machen zusammen ganz schön viel Mist, lautet die Schlussfolgerung des Professors im Ruhestand für Prozesstechnik in Lebensmittel- und Dienstleistungsbetrieben an der Justus-Liebig-Universität.

Schlich hat eine makroökonomische Analyse und Neubewertung vorhandener Statistiken von Umwelt- und Verkehrsbehörden vorgenommen. Ausgangspunkt für den Wissenschaftler war die amtliche Statistik, wonach die Privathaushalte in Deutschland nur für 17 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich sind. »Das liegt daran, dass Stromverbrauch und Verkehrsleistungen der Haushalte statistisch den Sektoren Energiewirtschaft und Verkehr zugerechnet werden«, erklärt Schlich. Rechne man diese Emissionen indes den Privathaushalten zu, komme man auf einen gut 43-prozentigen Anteil (fast 330 Millionen von insgesamt 760 Millionen Tonnen) der Privathaushalte am deutschen CO2-Ausstoß. Damit rückten die Privathaushalte von Platz vier der Verursacher-Tabelle auf Rang eins - mit weitem Abstand vor der Energiewirtschaft (29 Prozent) sowie Gewerbe und Industrie (22,7). Schlich spricht von einem »massiv veränderten Bild« und folgert: »Die Privathaushalte in Deutschand sind mit weitem Abstand die größten Verursacher der jährlichen CO2-Emissionen«. Somit hätten sie auch den »größten Einfluss auf eine maßgebliche Reduktion dieser Emissionen«, die aktuell nicht nur von außerparlamentarischen Akteuren - Schlich meint damit wohl unter anderem die Bewegung Fridays for Future - gefordert werde, sondern zu denen sich die Bundesrepublik international auch verpflichtet habe.

Im Detail wird die Grundaussage Schlichs fast noch klarer. So entfielen 90 Prozent des Motorisierten Individualverkehrs, 64 Prozent des Flugverkehrs und 93 Prozent des Bahnverkehrs auf die Privathaushalte, beim Stromverbrauch sind es dagegen nur 25 Prozent. Noch ein Beispiel: Den gut 58 Millionen Privatpersonen, die 2017 mit dem Auto befördert worden seien, stünden nur 5,7 Millionen geschäftlich transportierte Personen gegenüber. Dabei sei zu berücksichtigen, dass der Lieferverkehr, der unter anderem durch den boomenden Onlinehandel entsteht, der Wirtschaft und nicht dem privaten Sektor zugerechnet wird, obwohl der diese Fahrten durch entsprechende Bestellungen veranlasst. Allerdings räumt Schlich ein, dass die Abgrenzung zwischen »privat« und »geschäftlich« in der amtlichen Statistik gelegentlich schwierig ist.

In einem zweiten Teil seiner Arbeit will der JLU-Professor im September »naheliegende und einfache Möglichkeiten« vorstellen, mit denen Haushalte ihre CO2-Bilanz »maßgeblich« verbessern könnten. (Foto: pm)

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