26. März 2018, 20:42 Uhr

Kontemplativ und dramatisch

26. März 2018, 20:42 Uhr
Johanneskirchen-Kantorei, Main-Barockorchester und Solisten spielen unter der Leitung von Christoph Koerber. (Foto: rw)

Nicht ganz so monumental wie die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach ist das frühe sakrale Vokalwerk seines Sohnes Carl Philipp Emanuel (1714-1788) nach der Erzählung des Evangelisten Matthäus. Der zweitälteste Sohn des bewunderten Barockkomponisten schrieb seine erste Passionsmusik zur Fastenzeit 1769 nach der Vorlage des Evangelisten Matthäus; die Berliner Dichterin Anna Luise Karsch gestaltete den Text dazu.

Ein hochinteressantes Musikerlebnis fesselte die Hörer im gut besuchten Gotteshaus am Palmsonntagnachmittag in der gut besuchten Johanneskirche: Musik an der Schaltstelle zwischen Barock und Rokoko in hochkarätiger Besetzung bot für zwei Stunden Hörgenuss und verlangte hohe Aufmerksamkeit von Publikum und Ausübenden. Das Main-Barockorchester, hier im Raum auf hochspezialisiertem Niveau schon fast heimisch, und die versierte Kantorei der Johanneskirche widmeten sich der differenzierten Ausdruckspalette zwischen Kontemplation und Dramatik.

Die Solistenparts hatten die beiden Sopranistinnen Cornelia Winter und Natascha Jung inne, Tenor Ulrich Cordes gestaltete den umfangreichen Part des Evangelisten und die Tenorarien, Christos Pelekanos und Tomi Wendt gaben die Bassfarben. Mit erwarteter Konzentration führte Kantor Chistoph Koerber durch die Musik; die intensive Vorbereitung zeitigte ein glückvolles Ergebnis. Entsprechend kräftig und langanhaltend fiel nach einer angemessenen Schweigeminute der Schlussbeifall aus.

 

Kräftiger Schlussbeifall

 

Neben der vernehmbaren Hommage an Johann Sebastian in Übernahmen mit leicht abgewandeltem Klangbild – etwa in den Turba-Chören oder in der ergreifenden Choralbearbeitung »Christe, du Lamm Gottes« aus dessen Johannespassion, ist doch die Grundstimmung eine andere. Die Empfindsamkeit der neuen Generation hat in dieser Passionsmusik die Strenge des Vorgängers abgelöst. Dazu sei das Duett »Muster der Geduld und Liebe« in seinem lieblichen Zwiegespräch mit den Flöten genannt, das Natascha Jung und Cornelia Winter mit koloraturenreichem Terzen-Silberklang füllten. Die beiden unterschiedlichen Sopranlagen gefielen ebenso wie die diversen Basstönungen: Christos Pelekanos imponierte mit warmer Stimme und schönem Gleichmaß nicht nur im Accompagnato »Die Allmacht feiert den Tod«, wo u.a. Pauken und Hörner ein Erdbeben illustrieren. Tomi Wendt überzeugte als Jesus mit nobler Intonation und tragender Stimme. Eine prächtige Leistung bot Ulrich Cordes, der vom erzählerischen Duktus des Evangelisten »umschaltete« zu tenoralen Farben bis ins Opernhafte in der Zornesarie »Verstockte Sünder!«. Die Kantorei traf die Nuancen in den Stimmungslagen zwischen Trauer und Strahlen stets in Kongruenz mit dem Text. Über das Orchester mit seinen besonderen Klangfarben alter Instrumente – von Flöten, Hörnern bis zu den hochpräsenten Streichern und dem Schlagwerk – kann nur mit Bestnoten berichtet werden.

 

Bestnoten für das Orchester

 

Eine nachhaltig beeindruckende Aufführung – und eine bereichernde Idee, das Werk aus dem Schatten des Großmeisters zu holen und in optimaler Besetzung zu präsentieren!

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