16. Juni 2014, 14:08 Uhr

Konzert für Flöte und Orgel in der Bonifatiuskirche

Wolfgang Schreier, Vorsitzender des Fördervereins, begrüßte die Besucher in der Bonifatiuskirche zu einem Frühsommerkonzert zugunsten der neuen Orgel, das es in sich hatte: Flötistin Daja Leevke Hinrichs und Organist Jorin Sandau ließen mit ihrer feinsinnigen und geschmackvollen Gestaltung das Herz höher schlagen.
16. Juni 2014, 14:08 Uhr
Flötistin Daja Leevke Hinrichs und Organist Jorin Sandau. (Foto: jou)

Wie ein roter Faden durchzogen Schüler-Lehrerbeziehungen das stimmig konzipierte Programm – mit Johann Sebastian Bach quasi als Urvater. Sandau, seit 2011 Regionalkantor für die Dekanate Darmstadt, Dieburg und Erbach, lieferte vorab eine prägnante Einführung. Flüssig-elegant meisterte er zu Beginn an der englischen Orgel das Präludium C-Dur von Johann Christian Kittel. Frappierend, wie er auf bewegliche Tempogestaltung achtete und wie virtuos-leicht seine Füße über die Pedale huschten.

Andächtig-ruhig spielte Sandau gemeinsam mit Hinrichs Bachs Choralbearbeitung »Komm, heiliger Geist« BWV 652. Dabei harmonierte der warme Ton der Traversflöte wunderbar mit dem sonoren und weichen Klangbild der Orgel. In ihrer vornehm-dezenten, galanten Art berührte die Musik in der Sonate e-Moll Wq 124 des zweitältesten Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel und erfuhr durch das Duo eine stilgetreue, stets natürliche Wiedergabe. Allen drei Sätzen war anzumerken, welch in der historischen Aufführungspraxis versierte Künstler zu Werke gingen.

In Gießen als Stadtorganist und Universitätsmusikdirektor wirkte Christian Heinrich Rinck (1770 bis 1846). Dessen Flötenkonzert F-Dur (aus op. 55) eröffnete ein klangmächtiges akkordisches Orgelvorspiel, dann setzte die Flöte ein und trat in einen erfrischend vitalen Dialog mit der Königin der Instrumente. Der Vortrag des Duos mutete auch hier ideal aufeinander abgestimmt an, zudem höchst spontan. Dabei passte die etwas hellere Intonation der modernen Querflöte vorzüglich zur klanglichen Brillanz der Orgel. Für Gänsehaut sorgte das emotional vielschichtig gespielte Adagio, ebensolchen Genuss bereitete das finessenreich zu Gehör gebrachte Rondo-Finale, bei dem die Fingerfertigkeit der Flötistin in Staunen versetzte.

Danach gab das weitläufige »Nachspiel im Rinck’schen Stil« von Adolf Friedrich Hesse Gelegenheit, die reichen musikalischen Eindrücke Revue passieren zu lassen. In dem Orgelstück reizte Sandau die farbliche Bandbreite und harmonischen Spannungen ganz aus.

Demgegenüber bestachen im Cantabile
h-Moll des belgischen Komponisten Jacques-Nicolas Lemmens die sanft geschwungenen Melodiebögen der Querflöte; wieder phrasierte Hinrichs nuanciert.

Zum Schluss, bei der Suite op. 34 von Charles-Marie Widor, verdiente schon Lob, wie raffiniert das Duo im Moderato-Kopfsatz die Übergänge gestaltete, stets das große Ganze im Blick behaltend. Im Scherzo rückte das spielerische Moment in den Fokus bei den munteren Trillern und Figurationen. Die gleichermaßen mit liebevoller Hingabe dargebotene Romanze und das mit intensiven Höhepunkten aufwartende Finale rundeten das starke Bild ab.

Für den begeisterten Applaus dankte das Duo als Zugabe mit dem Siciliano aus der Sonate Nr. 2 Es-Dur BWV 1031 ungeklärter Autorschaft, das in den empfindsamen Zügen einen Hauptgedanken des Konzerts noch einmal aufgriff. Sascha Jouini

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