26. November 2018, 09:25 Uhr

Erkältung und Co.

Krankheiten im Kindergarten: Rotznase ist Fluch und Segen

Die Erkältungswelle trifft Familien mit kleinen Kindern besonders heftig. Doch in Gießens Kindergärten gehen noch andere Krankheiten rum. Eine Experteneinschätzung.
26. November 2018, 09:25 Uhr
Hatschi: Bei einer einfachen Erkältung können Kinder weiterhin in die Kita gehen. Doch wann ist es Zeit für einen Arzt? (Foto: dpa)

Die Nase des Kindes hört nicht auf zu laufen, der Husten ebbt nicht ab: Geht das jetzt den ganzen Winter so weiter?

Nicht auszuschließen, wie der Gießener Kinderarzt Dr. Christoffer Krug erklärt: »Studien zeigen, dass bis zu zwölf Infekte der oberen Atemwege, die auch mit kurzen Fieberepisoden einhergehen können, für Kleinkinder im Jahr ganz normal sind.« Berücksichtige man dabei die infektärmeren Sommermonate, sei es möglich, im Winter alle zwei bis drei Wochen eine Erkältung zu bekommen. Insbesondere mit dem Start in die Kita sei eine Anhäufung von Infekten verbunden.

 

Ändert sich das mit dem Älterwerden der Kinder?

Ja. Die von den Eltern beklagte »Dauerschnupfennase« wird seltener, sagt Krug. »Im Schulkindalter treten Erkältungen nicht mehr so häufig auf.«

 

Haben grippale Infekte auch etwas Gutes?

Absolut. »Jede Erkältung ist ein Training für das Immunsystem«, sagt Krug. Durch die Auseinandersetzung des Immunsystems mit den Erregern würden die körpereigene Abwehrprozesse aktiviert. Das Immunsystem »erinnere« sich an die Viren. »In der Folge wird das Kind tatsächlich seltener krank.«

 

Darf mein Kind erkältet bei offenem Fenster schlafen? Und wie dick soll ich es einpacken?

Starke Zugluft und allzu tiefe Temperaturen sollten vermieden werden, sagt Krug, ein gekipptes Fenster sei aber vollkommen in Ordnung. »Trockene, aufgewärmte Luft im Zimmer reizt erkältete Schleimhäute zusätzlich, etwas frische Luft kann also nicht schaden.« Bei der Kleiderfrage ist es ähnlich: Das Kind sollte nicht frieren, aber auch nicht schwitzen, da die Erkältung dann durch Zugluft stärker werden könnte. Krugs Ratschlag: Das Kind ganz normale anziehen.

 

Wann ist die Gefahr der Ansteckung am größten. Wie lange dauert die Erkältung?

Erkältungen sind ab dem zweiten Tag nach Auftreten der Symptome am ansteckendsten. Danach lasse die Infektiösität langsam nach. »Insgesamt dauern Erkältungen und die Symptome zwischen sieben und zehn Tagen.«

 

Wie ansteckend sind Kinderkrankheiten für Erwachsene?

Das ist unterschiedlich. Erkältungen oder Durchfallerkrankungen treffen häufig auch die Eltern. »Das liegt unter anderem daran, dass Eltern zuvor lange nicht mit Kinderkeimen in Kontakt gekommen sind«, sagt Krug. Es gibt aber auch Erkrankungen, gegen die Erwachsene bereits immunisiert sind.

 

Schicken Kindergärten erkältete Kinder sofort nach Hause?

Nein. Sonst wären die Kitas in den Wintermonaten nahezu verwaist. Meist werden die Eltern erst angerufen, wenn es den Kinder schlecht geht und/oder wenn sie Fieber haben. So wird es zum Beispiel im Familienzentrum St. Vinzenz gehandhabt, wie Leiterin Patricia Karkos sagt.

 

Wann sollte ich mein Kind lieber gleich daheim lassen?

Bei Fieber. Und wenn die Kinder richtig schlapp sind. »Außerdem sollten sie 24 Stunden fieberfrei sein, bevor sie zurückkommen«, sagt St.-Vinzenz-Leiterin Patricia Karkos. Krug fügt hinzu: »Meistens sind Kinder trotz laufender Nase bei einer Erkältung spielfreudig und voller Tatendrang. Wenn kein Fieber besteht, sollten sie auch immer wieder Zeit im Freien verbringen, um durch Bewegung und frische Luft Nasensekrete zum Ablaufen zu bringen und die Schleimhäute abschwellen zu lassen.«

 

Und wann gehört der Nachwuchs zum Arzt?

Bei Fieber, das länger als drei Tage anhält, wenn das Kind nicht trinken will oder wenn sich der Allgemeinzustand rapide verschlechtert. Auch Hautausschlag sollte abgeklärt werden, sagt Krug. Das gleiche gelte, wenn das Kind über Schmerzen klage.

 

In vielen Kitas kursiert die Hand-Fuß-Mund-Krankheit. Das klingt übel...

Ist es aber in der Regel nicht, sagt Krug: »Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die meist in kleinen Epidemien auftritt.« Kinder würden zunächst ein bis zwei Tage Fieber haben, bevor sich kleine Bläschen bildeten. »Für Laien ist das schwer zu deuten, es kann auch mit Windpocken oder Herpes verwechselt werden«, sagt Krug. Er empfiehlt den Gang zum Kinderarzt. An sich sei die Krankheit harmlos, man müsse sie nur aussitzen. Eltern stecken sich nur selten an, da sie meist in der Kindheit immunisiert worden sind, sagt der Kinderarzt. Und wenn es die Eltern doch trifft? Krug beruhigt: »Auch bei Erwachsenen ist das harmlos.«

 

Dürfen Eltern zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist?

Eine einheitliche Regelung fehlt. Das Gesetz sagt, dass Arbeitnehmer in Notsituationen bei fortlaufender Gehaltszahlung bis zu fünf Tage fehlen dürfen – dazu zählt die Betreuung eines kranken Kindes. Manche Arbeitsverträge schließen den Paragrafen aus. Wenn Eltern und Kind gesetzlich krankenversichert sind, können sich Eltern bis zu zehn Tage pro Kind und Jahr freistellen lassen. Alleinerziehende 20 Tage pro Kind.

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