12. März 2019, 22:02 Uhr

Krechel, Mosebach und Duve

Das Literarische Zentrum feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Kein Wunder also, dass das Frühjahrsprogramm mit prominenten Namen gespickt ist. Das Publikum kann sich unter anderem auf Ursula Krechel, Martin Mosebach und Karen Duve freuen.
12. März 2019, 22:02 Uhr

Die »Geisterbahn« trifft auf das Frankfurter »Westend«. »Oma, Gott und Britney« lernen »Fräulein Nettes kurzer Sommer« kennen. Und »Teufel und Mörder« landen als Sommerinszenierung der Germanisten (24. Juni) nicht »Im Schrank«, sondern im Botanischen Garten. So in etwa könnte man das Frühjahrsprogramm des Literarischen Zentrums zusammenfassen, konzentrierte man sich nur auf die Titel der Bücher, die an diversen Orten vorgelesen werden. Doch auch die Autoren selbst machen neugierig: Ursula Krechel, Martin Mosebach und Karen Duve werden mit ihren Büchern die Literatur in Gießen feiern. Was das Publikum im Einzelnen erwartet, erörterten nun LZG-Vorsitzender Prof. Sascha Feuchert und LZG-Geschäftsführerin Anna-Lena Heid vorab.

»Geisterbahn« im Levi-Saal

Los geht es am 9. April mit Ursula Krechel, die ihr neues Werk »Geisterbahn« präsentieren wird (Hermann-Levi-Saal, 19.30 Uhr). Ihre Erzählung von der Sinti-Familie Dorn spannt sich über annähernd 100 Jahre und dokumentiert in einer Mischung aus Realität und Fiktion die Schrecken des NS-Regimes und die schwierige Situation der Volksgruppe in der Nachkriegszeit. Das Ganze spielt in Krechels Geburtsstadt Trier und ist somit auch eine Chronik dieser Stadt.

In diesem Zusammenhang steht auch eine Lesung mit Gespräch am 11. April (19 Uhr, Zeitschriftensaal der UB) mit den Autoren des Sammelbandes »Ausgeplündert und verwaltet. Geschichten vom legalisierten Raub an Juden in Hessen«. Gottfried Kößler vom Fritz-Bauer-Institut moderiert das Gespräch mit den Autoren Bettina Leder, Christoph Schneider und Katharina Stengel. Helge Heynold wird aus dem Sammelband lesen. Dieser ist im Rahmen der Recherchen zur Wanderausstellung »Legalisierter Raub« entstanden, die mittlerweile an 30 Orten in Hessen zu sehen war – 2003 auch in Gießen.

Nicht nur »Frankfurt liest ein Buch«

Mit Martin Mosebach kommt am 5. Mai (12 Uhr, KiZ) ein weiterer prominenter Autor nach Gießen und liest am Vorabend des Festivals »Frankfurt liest ein Buch« aus seinem Frankfurt-Epos »Westen«. Auf fast 1000 Seiten schildert er in diesem »Gesellschaftsroman im besten Sinne« (Heid) eine ganze Epoche deutscher Nachkriegsgeschichte, schüttet ein »Füllhorn« von Figuren aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten aus und berichtet von einem Liebespaar, das unter den Sünden der Väter leidet.

In ihrem Buch »Als Oma, Gott und Britney sich im Wohnzimmer trafen oder Der Islam und ich« gibt Luna Al-Mousli, die 1990 in Damaskus geboren wurde und seit 2004 in Österreich lebt, Einblick in den syrischen Alltag ihrer chaotischen Großfamilie vor dem Krieg: am 7. Mai um 19 Uhr im ZiBB.

Lesung und Gespräch mit dem Gießener Autor Daniel Schneider sind der Beitrag des LZG zum »Tag der Literatur« am 26. Mai (19 Uhr, KiZ). Schneider wird von seiner Zeit als Stipendiat des Hessischen Literaturrats in der Region Nouvelle-Aquitaine berichten und seinen bisher unveröffentlichten Roman »Spindlers Wege« vorstellen, in dem er anhand der Autobiografie eines erfundenen Autors mit dem Literaturbetrieb abrechnet. Familiengeheimnisse, zahlreiche Handlungsstränge und komplizierte Beziehungen sorgen für Spannung beim Lesen.

Mit »Fräulein Nettes kurzer Sommer« ist am 18. Juni Karen Duve im Alten Schloss zu erleben (19 Uhr). Wo erst vor Kurzem Tanja Kinkel Einblick in die Geschichte der Brüder Grimm und der Schwestern Droste-Hülshoff gab, thematisiert Duve nun die Liebeskatastrophe mit verheerenden Auswirkungen im Leben der unangepassten Annette von Droste-Hülshoff.

Mit Rahmen des Festivals »Giennale«, das vom 21. bis 29. Juni stattfinden wird, präsentiert das LZG am 27. Juni (19.30 Uhr, prototyp, Georg-Philipp-Gail-Straße 5) die Prager Autorin Tereza Semotamová und ihren Debütroman »Im Schrank«. Hier endet der absurde Lebensweg einer jungen tschechischen Frau mit dem Einzug in einen Schrank.

Karten ab 25. März erhältlich

Das Literarische Zentrum weist darauf hin, dass Nichtmitglieder Karten für alle eintrittspflichtigen Veranstaltungen ab dem 25. März in der Touristinformation erwerben können. Alle weiteren Informationen findet man auf www.lz-giessen.de.

Weiterhin sollte man sich vormerken, dass das Literarische Zentrum vom 31. Mai bis 7. Juni unter dem Motto »Punkt, Punkt, Komma, Strich« die zehnten Bilderbuchtage ausrichten wird.

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