28. Mai 2019, 22:06 Uhr

Kühe schützen artenreiches Grünland

28. Mai 2019, 22:06 Uhr
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Aus der Redaktion
Die Kühe schützen brütende Vögel und eine Schmetterlingsart. (Foto: pm)

Die Kühe sind zurück in der Wieseckaue hinter dem Schwanenteich. Sie tragen durch ihre Anwesenheit dazu bei, besonders seltene Arten zu schützen: in den Wiesen brütende Vögel und den Schmetterling Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling.

Im November war ein stationärer Zaun errichtet worden und die ersten Rinder hatten Wieseckauenluft geschnuppert. Dass sie maßgeblich dazu beitragen, auch das artenreiche Grünland zu schützen, ahnen sie nicht. Das von der Oberen Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Gießen geplante Projekt geht nun in die erste richtige Saison. Die tierische Unterstützung legt jedoch eine Sommerpause ein - aus gutem Grund. Ein Bericht über die Empfindsamkeit des Ökosystems, von der Larve über Ameisen bis zum Rind.

»Die Einzäunung ist notwendig gewesen«, erklärt Regierungspräsident Christoph Ullrich. Der Artenreichtum in diesem Teil der Wieseckaue, die hier zum FFH- und Vogelschutzgebiet »Wieseckaue östlich von Gießen« gehört, ist deutlich zurückgegangen. Verantwortlich dafür ist auch die in den vergangenen Jahren zunehmende, hohe Feuchtigkeit der Flächen. »Deshalb kann dieser Teilbereich des Schutzgebietes im Frühjahr nicht mehr gemäht werden«, berichtet Ullrich weiter. Das habe dazu geführt, dass viele wertvolle Pflanzenarten, die ehemals auf der Fläche vorkamen, nicht mehr anzutreffen sind. Mit dem Zaun kann die Fläche als Mähweide, einer Kombination aus Beweidung und Mahd, genutzt werden.

Von der Larve bis zum Rind

»Deshalb haben wir entschieden, einen Zaun für eine naturschutzgerechte landwirtschaftliche Nutzung aufzustellen«, erläutert Sunna Schwarz von der Oberen Naturschutzbehörde mit Sitz in Wetzlar. Beteiligt an der geplanten Nutzungsänderung sind neben dem Landwirt und der Oberen Naturschutzbehörde, die Stadt Gießen, das Amt für den ländlichen Raum Wetzlar sowie die Gutachter für das FFH- und Vogelschutzgebiet. »Wir gehen davon aus, dass dadurch der Fortbestand des restlichen, artenreichen Grünlandes gewährleistet ist und auch die dort vorkommende seltene Schmetterlingsart namens Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling erhalten werden kann«, berichtet sie.

Indem Beweidung und Mahd kombiniert werden, können die Flächen in der noch feuchten Zeit frühzeitig durch Rinder genutzt werden. Denn: Eine Mahd ist zu diesem Zeitpunkt wegen der hohen Feuchtigkeit nicht möglich. Bis Mitte Juni werden die Rinder auf der Fläche weiden, dann legen sie eine Pause ein und werden wieder ab September anzutreffen sein. »Diese Nutzungspause ist erforderlich, damit die Blüte der Pflanze Großer Wiesenknopf gesichert ist.« Der Ameisenbläuling ist ein anspruchsvoller Schmetterling. Er braucht nicht nur die Blüten des Wiesenknopfes als Futterpflanze und zur Eiablage, sondern auch die Wiesenameise für die Überwinterung der Larve.

Die Arbeit der Rinder hat eine weitere positive Auswirkung: Sie schaffen Brutgebiete für stark gefährdete Wiesenbrüter und Vögel der Feuchtbereiche. »Wir befinden uns in der Brutzeit«, appelliert Ulrike Brockerhoff von der Oberen Naturschutzbehörde an Spaziergänger und Hundebesitzer: »Betreten Sie auf keinen Fall Wiesen und leinen sie Hunde an.« Die Wieseckaue sei ein hochwertiges Auengebiet, auch wenn sie für den Laien wie eine normale Wiese wirke. »Das bleibt sie nur, wenn wir uns an Regeln halten.«



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