08. Februar 2019, 22:11 Uhr

Kurden protestieren mit Hungerstreik und Mahnwache

08. Februar 2019, 22:11 Uhr
Mehmet Sherif Narman hungert seit Donnerstag aus Protest. (Foto: mö)

Mehmet Sherif Narman steht eine harte Zeit bevor. Am Donnerstag hatte der kurdischstämmige Staufenberger aufgehört zu essen und befindet sich seitdem im Kurdischen Gesellschaftszentrum in der Ederstraße im Hungerstreik. Tee, Wasser, Zigaretten und Vitamine, mehr nimmt er seitdem nicht mehr zu sich. »Das ist eine ernste Sache, der Körper schmilzt jeden Tag ein bisschen«, sagte Zentrumssprecher Abdulkadir Bayram am Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz.

Mit dem Hungerstreik protestiert Narman gegen die anhaltende Isolation des früheren Anführers der in Deutschland verbotenen PKK, Abdullah Öcalan, der seit 1999 in türkischer Haft sitzt. »Seit 2011 werden ihm Kontakte zu seinen Anwälten verweigert. Das ist auch in der Türkei rechtswidrig«, erklärte Narman. Mit seiner Aktion folgt er dem Beispiel von bislang 300 kurdischen Aktivisten, die sich in Deutschland und Nachbarländern im Hungerstreik befinden. Sie wollen damit auch Solidarität mit der HDP-Abgeordneten Leila Güven üben, die sich seit nunmehr 93 Tagen im Hungerstreik befindet, davon 79 Tage in türkischer Haft.

Den Gießener Vertretern der kurdischen Organisation Nav Dem, die als Nachfolgeorganisation der PKK gilt, ist klar, dass sie mit dem Hungerstreik die türkische Regierung und Staatspräsident Erdogan nicht beeindrucken werden. Adressat ihres Protests seien die deutsche Bundesregierung, die den NATO-Partner Türkei auch im vergangenen Jahr massiv mit Waffenexporten unterstützte, sowie das an den Europarat angebundene Komitee zur Verhütung der Folter, denn nichts anderes seien Öcalans Haftbedingungen.

Für den Freitagnachmittag hatten die Kurden noch eine Mahnwache am Kugelbrunnen geplant und wollten dort auch gegen die Militärpräsenz der Türkei in den Kurdengebieten Nordsyriens demonstrieren. Vor rund einem Jahr waren türkische Truppen in Nordsyrien einmarschiert und halten seitdem die Stadt Afrin besetzt.

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