14. November 2018, 21:41 Uhr

Lachfalten zu verschenken

14. November 2018, 21:41 Uhr
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Von Dagmar Hinterlang

Wenn Rosalore fertig angezogen ist, ist sie in einen Traum aus Rosa gehüllt. Wunderschön. Spannender aber ist es, die Verwandlung von Susanne Bötel in die Clownin Rosalore zu verfolgen. »Es ist ein zuweilen schmerzhafter Prozess, sich die Masken des Lebens abzureißen«, sagt Bötel. Am Mittwoch war sie im Pflege- und Förderzentrum St. Anna zu Gast. Eingeladen hatten der Caritasverband, die Vitos-Klinik und Musiktherapeutin Simone Plechinger. Die Veranstaltung stand unter dem Motto »Lachfalten zu verschenken – Forum über Humor und Emotionalität im Umgang mit Menschen mit Demenz«.

Bötel hat eine dreijährige Ausbildung in einer Hamburger Clownsschule absolviert. Während dieser Zeit entwickelte sie die Figur Rosalore, mit der sie nun als Clownin für Menschen mit Demenz ihr Publikum verzaubert. Bötel machte klar, wie wichtig es ihr ist, die Menschen mit Gesten und Mimik im Innersten zu berühren. Um das zu erreichen, geht sie behutsam vor. Sie lauscht auf die Atmung ihres Gegenübers. Sie spiegelt, was der von Demenz Betroffene anzeigt. Auf diese Weise nähert sie sich den Vorlieben und Erfahrungen ihres Gegenübers und kann darauf eingehen. Als Lohn ihrer Arbeit reicht ihr ein Lächeln. Oft aber entwickeln sich Gespräche. Rosalore erfährt, welche Musik ihr Gegenüber mochte, und sie hat als Reaktion darauf eine Disco mit Rockmusik eingerichtet. Die 68er-Generation ist mit Beatles und Stones aufgewachsen. Sie mochte die Spider Murphy Gang. Warum also Zarah Leander spielen, fragt Rosalore. Als Clownin sieht Bötel immer gleich aus. Das ist wichtig für Menschen mit Demenz. Es gibt ihnen Sicherheit, erklärte die Referentin.

Im ausgebuchten Saal saßen vornehmlich Beschäftigte aus sozialen Einrichtungen und Betreuungskräfte aus Pflegeheimen, unter ihnen Caritasdirektorin Eva Hofmann, die die Anregungen der Clownin aufnahmen. Bötel bezeichnete die Rolle der Clownin als Projektionsfläche für Emotionen. Sie biete interaktive Begegnung. Da sei es egal, ob sie – selbst 54 Jahre alt – von ihrem Gegenüber als achtjähriges Enkelkind oder fesche 23-Jährige wahrgenommen werde. Die Menschen geben die Geschichte vor. Mit mehreren Filmen und mit Fotos von Michael Hagedorn (»Konfetti im Kopf«) illustrierte sie ihre Arbeit in Pflegeheimen. Der Blick ging auch hinter die Kulissen, denn Rosalore ist auch in der Wäscherei oder beim Putzen aktiv.

In ihrem anderen Leben ist Bötel Betriebsrätin bei einer Versicherung. Ihr Weg zur freiberuflichen Clownin und Kunstbegleiterin begann in einer Lebensphase mit privatem und beruflichem Umbruch. Bötel ermutigt dazu, einen Perspektivwechsel zu wagen und den Alltag mit Humor neu und anders zu gestalten. Sie ist überzeugt davon, dass man nicht nur verschüttet Geglaubtes bei Menschen mit Demenz hervorrufen kann. Sie sagt auch, dass es für ein entspannteres Betriebsklima sorgt. (Foto: hin)



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