06. Dezember 2016, 12:00 Uhr

»Lahnbahnhof« mit Hotelturm denkbar

Gießen (mö). Seit Jahren schwirrt das Thema Fernbusbahnhof durch Gießen. Nun wird es konkret. Für das Großprojekt an der Lahnstraße liegt jetzt eine Machbarkeitsstudie vor. Sie nennt Kosten und sagt mehr Verkehr mit Fernbussen voraus. Zudem soll an dem neuen Bahnhof ein 22 Meter hoher Hotelbau entstehen.
06. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Sie sind Provisorien, die beiden Gießener Haltestellen für die Fernbusse. Am Stopp neben der Autobahnauffahrt an der Rivers Automeile, wo auch internationale Linien Halt machen, beschränkt sich die Infrastruktur auf einen Müllcontainer. Und in der Liebigstraße ist es im Laufe der Jahre eng geworden für die bunten Menschentransporter. Das soll sich bald ändern, denn die Pläne für einen Fernbusbahnhof auf der Rückseite des Zugbahnhofs werden immer konkreter. Auf fast 70 Seiten zeigt eine aus mehreren Büros bestehende Planergemeinschaft im Auftrag des Stadtplanungsamt, wie der »Lahnbahnhof« aussehen könnte.
Demnach sollen auf der Fläche neben dem bestehenden Parkhaus und dem geplanten Parkhausneubau ein Platz für Pkw-Kurzzeitparker, ein Busbahnhof mit fünf Fahrsteigen in Schrägaufstellung sowie ein längerer Halteplatz für Busse mit Anhänger, mehrere Fahrradabstellanlagen sowie ein Taxenstand entstehen. Eingebettet ist das Projekt Fernbusbahnhof in einen spektakulären Umbau der gesamten Westseite des Bahnhofsareals, denn nach den Wohnbauten, die auf der Nordseite des Güterbahnhofs bereits errichtet wurden und den kommenden Jahren noch gebaut werden, soll oberhalb des Fernbusbahnhofs eine Gebäudezeile mit den Nutzungen Fast-Food-Gastronomie, Büros für Dienstleister und ein 22 Meter hoher Hotelbau entstehen. Das Stadtplanungsamt spricht von einem »siebengeschossigen Endpunkt« der südlichen Bebauung des Bahnhofs. Ein ganz wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Verlängerung der bestehenden Fußgängerunterführung der Bahnhofsgleise, die »großzügig aufgeweitet« als »breiter Boulevard« auf einem Platz vor dem Fernbusbahnhof mündet.
Eine erste Kostenschätzung für den Fernbusbahnhof, die die beschriebenen Investorenbauten nicht beinhaltet, geht von 3,5 Millionen Euro für die Gestaltung der Freiflächen und die Verlängerung der Unterführung aus. Kosten, die sich die Stadt, die Mittelhessische Wohnen als Investor sowie die Bahntöchter Station&Service sowie DB BahnPark wohl teilen werden. Die Hauptnutzer des Fernbusbahnhofs, nämlich die Gießen ansteuernden Transportunternehmen, sollen den Betrieb dann – wie auf einem Flughafen – durch Gebühren finanzieren. Dazu schlägt die Machbarkeitsstudie verschiedene Betreibermodelle vor.
Aus Sicht der Gutachter ist klar, dass der Fernbus-Standort Gießen den Bau eines eigenen Bahnhofs hergibt. Die Unternehmen MeinFernbus, Flixbus, DeinBus, Postbus und BerlinLinienBus hätten Gießen recht früh als interessanten Haltepunkt entdeckt. Gründe seien die fehlende Anbindung der Mittelhessen-Metropole ans ICE-Netz sowie die große Zahl an Studierenden. Schon gegenwärtig fänden in Gießen in der Spitze täglich bis zu 100 Fernbusfahrten statt, die Gutachter gehen davon aus, dass sich diese Zahl in den kommenden Jahren bei etwa 115 bis 120 einpendeln wird. Die zusätzlichen Fahrten müssten dann aber zu anderen Zeiten stattfinden, denn die Spitzen – freitags zwischen 11 und 12 Uhr und sonntags von 15 bis 16 Uhr – seien im Grunde belegt.
Für den Standort direkt am Bahnhof spreche die Verknüpfung mit dem Zugverkehr und dem regionalen Busverkehr. Außerdem könne die Lahnstraße schnell von der Autobahn erreicht werden. Für eine direktere Anbindung aus dem Süden ist allerdings eine Aufweitung der beiden kleinen Bahnbrücken am Übergang der Lahnstraße nach Kleinlinden nötig. Dies ist beabsichtigt, kann aber noch Jahre dauern.
Mit der Umsetzung der Planung für den Fernbusbahnhof könnte es schneller gehen, denn der Bebauungsplan »Güterbahnhof II« wir dem Stadtparlament – inklusive der Machbarkeitsstudie – wohl im ersten Halbjahr 2017 als Entwurf vorgelegt.

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