19. August 2019, 21:38 Uhr

Landgericht verhandelt Messerattacke

19. August 2019, 21:38 Uhr

Glaubt man der Anklage, dann hat ein inzwischen 21-jähriger Somalier eine lange Liste von Straftaten begangen, wobei Staatsanwalt Mike Hahn am Montag die Aufzählung mit dem offensichtlich schwersten Vorwurf eröffnete. So soll der in Gießen wohnende und derzeit in der JVA einsitzende junge Mann am 14. April letzten Jahres in Frankfurt mit einem Küchenmesser einen 23-jährigen Landsmann attackiert haben, sodass sich dieser am Kopf im Bereich der Schläfe eine Schnittwunde zugezogen hat. Nach einem zweistündigen Aufenthalt konnte der Geschädigte allerdings die Klinik wieder verlassen. Die Wunde war genäht worden, bleibende Schäden wurden nicht festgestellt. Glück für das Opfer und den Angreifer.

Die 1. Strafkammer des Landgerichts Gießen unter dem Vorsitz von Andreas Wellenkötter hat sich aber nicht nur durch diesen Fall zu kämpfen. Einen haupt- und auch ehrenamtlich tätigen Flüchtlingshelfer soll der Angeklagte am 27. Mai 2017 in Gedern mit einer Latte geschlagen und bedroht haben. Dieser Helfer sagte gestern vor Gericht aus, stiftete dabei Verwirrung, denn zunächst schob er die Tat einem anderen Somalier zu, der ebenfalls als Zeuge geladen worden war, und gab vor Gericht an, den Angeklagten gar nicht zu kennen. Nach und nach räumte der 38-Jährige seinen Irrtum ein und identifizierte am Ende doch noch den Angeklagten als den Täter.

Teilgeständnis abgeliefert

Am 9. November 2017 war ein Flüchtling an der Reihe; am Bahnhof in Friedberg erhielt dieser von dem Somalier einen Faustschlag ins Gesicht und einen Schlag mit einem Holzstock. Auch in Ober-Mörlen machte der 21-Jährige auf unliebsame Weise auf sich aufmerksam: Sachbeschädigung, Körperverletzung, Bedrohung lauten die Tatvorwürfe. Dabei zertrümmerte er eine Glasscheibe, schlug einen Stein gegen den Kopf seines Opfers und drohte außerdem, einen anderen sowie dessen Frau und Kinder umzubringen. Als er am 15. August 2017 in Frankfurt nach eigener Einschätzung medizinische Hilfe benötigte und in ein Krankenhaus eingeliefert werden wollte, verweigerten ihm die Rettungskräfte diesen Wunsch. Nach ihrer Überzeugung war eine Behandlung in einer Klinik nicht angezeigt. Sie wurden daraufhin von dem Mann wüst beschimpft und beleidigt.

Während Verteidigerin Barbara Jokic eine Erklärung des Angeklagten vorlas, in der ein Teil der Anklage »vollumfänglich eingeräumt« wurde, lieferte der junge Mann über seinen Dolmetscher wortreich eine Erklärung für die Tat im April letzten Jahres ab. So sei das spätere Opfer der eigentliche Aggressor. Dieser habe ihn in Frankfurt mit zwei Freunden verfolgt, nachdem er bereits vorher mit ihm in Streit geraten war.

Der Angeklagte und das Opfer lieferten unterschiedliche Versionen zum Tathergang, aber Richter Wellenkötter hatte sich bereits ein Bild machen können. »Sie stellen das so da, dass Sie sich verteidigen wollten«, rief er dem Mann zu, »aber das zieht sich wie ein roter Faden durch das Verfahren, dass die Aggressivität von Ihnen ausgegangen ist.« Den Stich mit dem Messer räumte auch der Angeklagte ein. Fortgesetzt wird die Beweisaufnahme am kommenden Mittwoch.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Geschädigte
  • Gießen
  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Küchenmesser
  • Landgericht Gießen
  • Messer-Attentate
  • Staatsanwälte
  • Wunden
  • Gießen
  • Harold Sekatsch
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.