Stadt Gießen

Landkreis Gießen reagiert auf Elternkritik

Künftig bringt wieder die Firma Rausch Kinder mit Behinderung zur Sophie-Scholl-Schule. Der Vertrag mit dem alten Anbieter wurde gelöst.
02. Oktober 2019, 11:00 Uhr
Christoph Hoffmann
»Logistische Schwierigkeiten« haben zum Anbietenwechsel geführt.	(Foto: Schepp)
»Logistische Schwierigkeiten« haben zum Anbietenwechsel geführt. (Foto: Schepp)

Neuigkeiten von der Sophie-Scholl-Schule: Nach den Herbstferien wird die Firma Rausch wieder Kinder mit Behinderung zum Unterricht bringen. Das hat Sven Germann, der Vorsitzende des Kreis-Behindertenbeirats, gegenüber dieser Zeitung bestätigt. Sozialdezernent Hans-Peter Stock habe dies in der Sitzung am Montag verkündet. Der Vertrag mit dem bisherigen Anbieter, einem Gießener Taxiunternehmen, sei aufgelöst worden. Hintergrund des Wechsels sind Elternbeschwerden.

Gegenüber dieser Zeitung hatten mehrere Mütter ihre Unzufriedenheit mit dem heimischen Taxiunternehmen geäußert, das sich in der jüngsten Ausschreibung durchgesetzt hatte und seit Beginn des Schuljahres für die Beförderung zuständig war. Doch von Beginn an lief es nicht rund. Bereits am ersten Schultag wurden einige Kinder nicht abgeholt. In der Folge beklagten Eltern unter anderem verspätete Abholzeiten, täglich wechselnde Fahrer und Routen sowie teils mangelnde Erfahrung im Umgang mit den gehandicapten Jungen und Mädchen. Eine Mutter beschwerte sich zum Beispiel, dass ihre Tochter unbeaufsichtigt am Ende der Straße aus dem Bus gelassen worden sei. Das sei eine grobe Verletzung der Aufsichtspflicht und habe gegen die Vereinbarung verstoßen, die Kinder nur an Befugte und an der Haustür zu übergeben. Im Falle ihrer Tochter sei das besonders problematisch gewesen, da sie eine Weglauftendenz habe und Gefahren nicht richtig einschätzen könne.

Der Landkreis räumte die Probleme ein und sprach von »logistischen Schwierigkeiten«. Demnach seien vor Beginn des neuen Schuljahres viele Kinder zur Beförderung nachgemeldet worden. »Das beauftragte Unternehmen musste in der Kürze der Zeit weitere Fahrzeuge beschaffen, teilweise auf Leihfahrzeuge zurückgreifen und stand vor der Herausforderung, rasch weiteres Fahrpersonal akquirieren und unterweisen zu müssen«, erklärte der Kreis-Sprecher kürzlich und fügte schon damals an, dass man an einer Neuregelung für nach den Herbstferien arbeite.

Das ist nun geschehen. Mit Rausch übernimmt jene Firma, die bereits in den vergangenen Jahren für die Beförderung zuständig war. Laut Germann war Rausch bei der Ausschreibung auf dem zweiten Platz gelandet.

Die FDP-Kreistagsfraktion hat die Probleme unterdessen zum Anlass genommen, eine Anfrage an den Kreisausschuss zu richten. Darin geht es u.a. darum, nach welchen Kriterien die Auswahl des Gießener Taxiunternehmens erfolgte, welche Rolle der Preis und welche die angebotene Qualität gespielt habe und wie die Bewerber diese nachweisen mussten. Auch die vom Landkreis angekündigten Veränderungen nach den Herbstferien sprechen die Liberalen an. Die Anfrage wurde vor dem Anbieterwechsel formuliert.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/stadtgiessen/Stadt-Giessen-Landkreis-Giessen-reagiert-auf-Elternkritik;art71,632476

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